Die Schonfrist der neuen griechischen Regierung ist längst abgelaufen. Völlig unabhängig von ihrer politischen Herkunft gab es viele, die bereit waren, Alexis Tsipras und seiner linken Regierung eine Chance einzuräumen. Doch bisher wurde einfach alles vergeigt. Es ist Sache der Griechen, über die Besetzung ihrer politischen Spitze zu entscheiden. Aber das Ergebnis von fachlicher Unbedarftheit und tollpatschiger Verhandlungsführung bekommen die Menschen zu spüren, die viel Hoffnung in das Athener Bündnis gesetzt hatten.
Dass die Brüsseler Kommission schon jetzt ankündigt, ihre so optimistische Prognose demnächst nach unten zu korrigieren, mag im großen Gemälde der hellenischen Krise nur ein weiterer Mosaikstein sein. Aber es ist ein wichtiger, ja zentraler. Denn die Brüsseler Zahlen belegen, warum Griechenland weder bei Geldgebern noch bei Investoren Vertrauen genießt. Sogar der letzte Rest an Optimismus wurde verspielt. Daran hat der bekennende Anhänger der Spieltheorie Gianis Varoufakis einen erheblichen Anteil. Ob es wirklich das ist, was Tsipras als Neuanfang wollte, muss er selbst entscheiden – oder Konsequenzen ziehen.
Sicher aber ist inzwischen: Weder eine Staatspleite noch ein Ausstieg aus der Euro-Zone sind tabu. Das, was lange als unvorstellbar galt, hat seinen Schrecken verloren. Nicht einmal die zu erwartenden eigenen Verluste der Euro-Partner halten diese noch davon ab, abseits der offiziellen Verlautbarungen über den schlechtesten Fall zu spekulieren. Längst zählt nicht mehr, was Tsipras oder Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos meinen, ankündigen oder zusagen.
Nun wird es nur noch darauf ankommen, ob es bis zum 11. Mai, wenn die Finanzminister der Währungsunion wieder zusammenkommen, eine Reformliste gibt oder nicht. Athen sollte nicht daran zweifeln, dass die europäischen Kassenwarte es ernst meinen: Wenn die Tsipras-Leute – wer auch immer dann in welcher Funktion für die Athener Spitze spricht – nicht bald zeigen, dass sie die Lage verstanden haben, wird das Land endgültig abstürzen. Die Geldgeber werden dann viel Geld abschreiben müssen. Noch folgenschwerer aber wäre, dass die bisherigen Opfer der Griechen dann völlig sinnlos waren.
