Der Fall eines unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers wirft eine Reihe von Fragen auf. Wie steht es um politisch extreme Einstellungen in der Bundeswehr? Und wie kann es sein, dass beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge keine Zweifel aufkamen, als ein angeblich aus Syrien stammender und nicht arabisch sprechender Mann Asyl beantragte?
Das sind gleich mehrere Baustellen, an denen Verteidigungsministerium und Innenministerium arbeiten müssen. Da ist die kurios anmutende Entscheidung des Bundesamtes, die dem vermeintlichen Syrer den sogenannten subsidiären Schutz und eine Aufenthaltserlaubnis sowie die entsprechenden finanziellen Leistungen zubilligte. Da ist die Besorgnis, dass bei der Auswahl des Führungspersonals der Bundeswehr nicht die erwartbare Sorgfalt an den Tag gelegt wird. Immerhin hatte der Mann sich eine Schusswaffe besorgt, die er aus noch nicht geklärten Motiven auf dem Wiener Flughafen versteckte. Der Aufmerksamkeit der Wiener Sicherheitsleute ist es letztlich zu verdanken, dass das Waffenversteck entdeckt und der Urheber gefasst wurde.
Noch größer ist die Besorgnis, hinter dem Bundeswehroffizier mit dem bizarren Doppelleben könnte sich ein Netzwerk von Rechtsextremen oder gar Gewaltbereiten in der Bundeswehr auftun. In der Wohnung eines Komplizen wurden immerhin Gegenstände entdeckt, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen.
So reiht sich die Affäre leider ein in die Fälle von Führungsversagen bei der Bundeswehr, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dringend abstellen muss: Unterführer, die Untergebene drangsalieren, sie rassistisch beleidigen, entwürdigende Aufnahmerituale, Korpsgeist in Eliteeinheiten – und jetzt Fehler bei der Personalauswahl? Irgendwie scheinen zumindest einige in der Truppe vergessen zu haben, dass Soldaten auch dazu da sind, Schwächere zu schützen, eben diejenigen, die sich nicht selbst schützen können. Das ist die Botschaft des Dienens: Man dient, in dem man sein Land und seine Bewohner schützt.
