Dieser Bericht des Wehrbeauftragten hat es in sich. Kampfpanzer: konstant kaum einsetzbar; Kampfflugzeuge: oft nicht flugfähig; Ausrüstung für die Soldaten: Es fehlt an vielem. Wäre man Chef eines Unternehmens und würde seine Angestellten derart desolat ausstatten, hätte das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den sofortigen Rauswurf zur Folge. Nicht so bei der Bundeswehr. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen darf weiter im Amt bleiben. Mittlerweile müht sie sich seit gut fünf Jahren, den schweren Tanker Bundeswehr wieder flottzumachen.
Sicherlich kann der Frau aus Niedersachsen die Misere nicht allein angeheftet werden. Zu sehr wurden von ihren Amtsvorgängern Probleme nicht gesehen oder gar bewusst verschleppt. Nun sind diese Probleme zu einem riesigen Berg herangewachsen, wobei zurzeit offenbar niemand weiß, wie dieser jemals wieder abgetragen werden kann.
Frei von Verantwortung ist die 60-Jährige aber natürlich nicht. So muss sie demnächst vor einem Untersuchungsausschuss den massiven Einsatz externer Berater erklären. Trotz hoher Kosten für deren Expertise hat sich im Verteidigungsministerin auf den ersten Blick nur wenig verbessert. Wenn schon so viel Geld für Sachverstand von außen ausgegeben wird, sollte der Nutzen klar erkennbar sein. Das ist bisher nicht der Fall.
Hinzu kommen weitere Baustellen: Die Kosten für das Segelschulschiff „Gorch Fock“ sind von ursprünglich geplanten 10 Millionen Euro auf mittlerweile unfassbare 135 Millionen Euro gestiegen. Dennoch hält von der Leyen (noch) daran fest. Zudem erschrecken immer wieder Meldungen von Rechtsextremismus in der Truppe die Öffentlichkeit.
Doch das größte Problem ist noch ein ganz anderes: der Mangel an Nachwuchs. Die Zahl der neu angeworbenen Soldaten ist mittlerweile auf einen historischen Tiefstand gesunken. Die Bundeswehr wird somit immer älter. Wen wundert’s? Gut ausgebildete junge Menschen gehen eben lieber dorthin, wo ihnen etwas geboten wird, nicht zu einem „Unternehmen“, das derart heruntergewirtschaftet worden ist. Besserung muss her – und zwar schnell. Ansonsten bleibt wohl nur die Rückkehr zur Wehrpflicht.
