Wer Niedersachsens Landeshauptstadt mit provinzieller Beschaulichkeit gleichsetzt, macht einen großen Fehler. Hannover gehört mit zu den schlimmsten Kriminalitätsecken in Deutschland – nach Berlin und Leipzig. Selbst das skandalumwitterte Frankfurt rangiert dahinter. Wer hinter die Kulissen Hannovers schaut, wundert sich nicht. Der gesamte Bereich hinter dem Hauptbahnhof, ein Hotspot von Gewalt und Drogen, bildet mit seiner Trostlosigkeit geradezu eine Einladung für jede Trinker- und Junkie-Szene. Das nicht weit entfernte Rotlicht-Viertel trägt nicht zur Beruhigung bei. Gleiches gilt für viele Stadtteile, in denen erst der Abrissbagger wütete und dann gesichtslose Wohnsilos Einzug hielten. Die Straßenschneisen, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch Hannover geschlagen wurden, beseitigten den Rest von Heimeligkeit.

Auch andere Städte haben Fehler gemacht. Viele bemühen sich um neue Urbanität. Mit zahlreichen Ideen und Kreativität. Hannovers Kommunalpolitikern fällt allenfalls Tempo 30 ein. Und die Präsenz der Polizei macht sich höchstens zu Fußballspielen bemerkbar. Aber mit Lethargie gewinnt man keinen Kampf gegen Kriminalität.