Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht – so hatte Angela Merkel im Wahljahr 2013 in der NSA-Affäre noch auf die Nachricht reagiert, dass die Spione aus Washington nicht einmal vor ihrem Handy Halt gemacht hatten. Dabei hätte die Kanzlerin damals wissen müssen, wie weit die amerikanischen Dienste bei ihrer Sammelleidenschaft gehen. Wenn das Kanzleramt bereits 2008 von der Zusammenarbeit von NSA und BND wusste, muss es erklären, weshalb es diese Informationen so lange dem Parlament verschwiegen hat. Schließlich geht es hier um Spionage in sensibelsten Bereichen.

Wie schon zu Beginn der NSA-Affäre 2013 hält sich Angela Merkel zurück, so als seien nicht sie und ihr Kanzleramt für die Geheimdienstkontrolle zuständig, sondern andere. Doch der Druck auf die Verantwortlichen wächst. Sollte sich bestätigen, dass der BND im Auftrag der NSA auch europäische Rüstungskonzerne und Regierungen entgegen seiner Kompetenzen bespitzelt hat, wird es auch unbequeme Fragen von den europäischen Partnern geben.