Zwei lange Jahre ist’s her und der Ort der Katastrophe eine Wiese: Viel hat sich verändert seit der Flammenhölle vom 9. September 2014 in dem beschaulichen Städtchen Ritterhude. Aber immer noch stocken die Ermittlungen zur Brandursache – und vor allem zu den Schuldigen, auf deren Konto ein Toter und Millionenschäden gehen. Zugleich tauchen immer mehr Ungereimtheiten auf.
Die Unglücksfirma Organo Fluid, die laut Umweltministerium nachweislich illegale Bauten auf dem Chemiegelände errichtet hatte, betreibt im Nachgang die Sanierung des Geländes, bezahlte Gutachter aus ihrer Kasse. Kein Wunder, dass sich hartnäckig Gerüchte halten, dass in der Feuersbrunst hochgiftige Substanzen freigesetzt wurden. Bewiesen ist nichts. Offizielle Stellen wiegeln ab. Aber die Stimmen der Kritiker sind keineswegs leiser geworden.
Unverständlich, dass das niedersächsische Umweltministerium – vorsichtig gesagt – doch recht zurückhaltend agiert. Nach der Empörung über Schwarzbauten ist nicht mehr viel geblieben an Aktivitäten. Akten wurden gewälzt. Ja, gut. Auch ein Maßnahmenpaket für die Überwachung von Industrieanlagen wurde geschnürt. Aber warum schickt das Land nicht unabhängige Gutachter? Das kostet Geld. Es könnte jedoch Gewissheit bringen.
