Beim Bekanntwerden der VW-Abgas-Affäre im vergangenen Jahr werden sich auch leitende Mitarbeiter anderer Hersteller verstohlen die Messprotokolle ihrer Dieselmotoren vorgenommen haben. Und so mancher Vorstand wird geahnt haben, dass da noch mehr kommt und dass keiner ungeschoren bleibt. Und tatsächlich: Volkswagen ist nicht der einzige Hersteller, der bei den Abgaswerten getrickst hat. Jetzt ist es öffentlich geworden, dass auch andere Hersteller, höflich formuliert, freigiebig den Interpretationsspielraum der Vorschriften genutzt haben.
Bei Daimler-Benz war es schon bekannt, dass die Behörden in den USA Fragen zur vollständigen Abgasreinigung bei Mercedes-Dieselmodellen hatten. Dass nun auch bei Audi, Porsche und Opel „Abweichungen“ vorkommen, kann nicht mehr überraschen.
Die Rückrufaktion zeigt aber auch, dass ernsthafte Kontrollen Ergebnisse zur Umweltverträglichkeit der Dieselmotoren zu Tage fördern. Die Frage ist nur, warum das nicht schon viel früher geschah. Die fehlende oder unzureichende Kontrolle der Hersteller wirft im Fall Volkswagen ein grelles Licht auf das Land Niedersachsen. Immerhin hält das Land eine Minderheitsbeteiligung an Volkswagen. Dem Aufsichtsrat, in dem mit Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies zwei sozialdemokratische Regierungsmitglieder sitzen, kann man nicht attestieren, er habe zur Bewältigung der Abgas-Krise Entscheidendes geleistet. Zwar scheint acht Monate nach Bekanntwerden der skandalösen Vorgänge das Schadenersatz-Problem mit den Dieselfahrzeugen in den USA durch Milliarden Euro gelöst, in Europa aber gehen die VW-Diesel-Besitzer leer aus. Und der Kompromiss um die Bonus-Zahlungen an die Vorstände, die auf Eis gelegt werden, schmeckt auch schal.
Mit wirtschaftlichen Einbußen, so steht zu befürchten, müssen nicht nur den VW-Konzern, seine Mitarbeiter, das Land und die Kommunen rechnen, sie werden auch die mittelständischen Zulieferer erreichen. Leidtragende könnten dann deren Mitarbeiter sein, die um ihre bis dato sicheren Arbeitsplätze fürchten müssen. Der immense Image-Schaden ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.
