Robert Habeck kann reden. Der grüne Vizekanzler hat sein Kommunikationstalent vielfach unter Beweis gestellt, etwa wenn er den Zusammenhang von neuen Gesetzen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten erklärt (mal abgesehen vom vergeigten Heizungsgesetz), wenn ihm im Dialog mit seinen Kritikern eine Annäherung gelingt (mal abgesehen von wütenden Landwirten an einem Fähranleger) oder wenn er im Lichte des Hamas-Angriffs auf Israel die Debatte um Antisemitismus in Deutschland sortiert. Umso mehr fällt es auf, wenn der Wirtschaftsminister kommunikativ schwächelt. Es kommt dieser Tage auffällig oft vor, dass Habeck seine Botschaften nicht vermittelt bekommt und sich um Kopf und Kragen redet. Habeck ist angeschlagen. Das gilt für den Vizekanzler wie für die gesamte Ampel-Spitze.

Bei zwei Beispielen lohnt ein genauerer Blick. Vergangener Donnerstag zur Haushaltsdebatte im Bundestag: In seiner kurzen Rede will Habeck zum einen die Großproteste gegen Rechtsextremismus zum Anlass nehmen, für eine Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg zu werben. Zum anderen will er ein neues Sondervermögen zur Unterstützung von Unternehmen vorschlagen. Bei knapper Redezeit sollte er sich nicht verzetteln. Doch Habeck lässt sich von der Kritik der Union provozieren und holt zum Gegenangriff aus. Für die Erklärung seiner Sondervermögen-Idee bleibt kaum mehr Zeit, Habeck lässt vieles im Unklaren. Am Ende bleibt der Eindruck eines unabgestimmten Vorstoßes, der eher neue Konflikte bringt denn konstruktive Lösungen. Dabei ist Habecks Vorschlag durchaus bedenkenswert, zumal sich die Ampel in der Analyse einig ist, dass die Steuerlast für Unternehmen zu hoch ist und es eine Investitionsschwäche gibt. Doch gut gemeint ist eben nicht gut gemacht.

Das zweite Beispiel betrifft seinen Auftritt am vergangenen Sonntagabend beim TV-Talk von Caren Miosga: Der Vizekanzler will dazu beitragen, dass man wieder „Mut und Entschlusskraft“ fasst im Land. Doch was folgt, wirkt wenig mutig und entschlossen, sondern defensiv. Habeck will wirtschaftspolitisch wie gesellschaftlich die großen Linien ziehen, aber verliert sich im Klein-Klein.

So geht es der Ampel als Ganzes. Anstatt von den unterschiedlichen politischen Denkschulen der Ampel-Parteien wechselseitig zu profitieren, wie man es sich einst vorgenommen hatte, hat sich die Koalition in eine enge Ecke manövriert. Man hat sich gegenseitig wundgerieben, jeder kämpft um den eigenen Raum. Doch Häme über dieses politische Dilemma ist nicht angebracht, gerade zu Beginn eines so wichtigen politischen Jahres mit der Europawahl, mehreren Kommunalwahlen und drei Landtagswahlen im Herbst. Es wäre ein wichtiges Zeichen, dass eine Mehrparteienkoalition aus ungleichen Partnern gute Politik macht. Man kann der Ampel nur wünschen, einen Ausweg aus der Ecke und wieder zu besserer Kommunikation zu finden. Nicht für den persönlichen Erfolg des Vizekanzlers und seiner Mitstreiter, sondern für das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Regierung.