Es sind Bilder, die unter die Haut gehen: Ein gefesselter Mann am Boden, den Fuß eines Wachmanns im Genick. Ein Flüchtling mit angsterfülltem Blick, der gezwungen wird, sich auf eine Matratze voller Erbrochenem zu legen. Aufnahmen, wie wir sie aus Foltergefängnissen im Irak kennen, aber nicht aus friedlichen Kleinstädten mitten in Deutschland. Sie lösen Abscheu und Fassungslosigkeit aus – und die berechtigte Forderung nach Konsequenzen.
Natürlich handeln die verantwortlichen Politiker richtig, wenn sie jetzt schärfere Kontrollen und mehr Personal versprechen. Doch das wird das Problem nicht lösen, höchstens kurzfristig kaschieren.
Deutschland erlebt derzeit einen Zustrom von Flüchtlingen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Menschen, die vor Krieg, Hunger und Elend fliehen und dafür nicht selten ihr Leben riskieren. Diejenigen, die es bis nach Deutschland schaffen, werden über das Land verteilt, was die Kommunen, die sie aufnehmen müssen, völlig überfordert. Neue Behelfsunterkünfte müssen zum Teil innerhalb weniger Tage geschaffen werden. Wer kann es da den Städten und Gemeinden verdenken, dass sie den Betrieb privaten Firmen übertragen? Sie selbst hätten gar nicht das Personal und die Mittel dafür. Natürlich sind die Behörden vor Ort für Menschen verantwortlich. Doch wer ihnen jetzt die Schuld an der Situation zuschiebt, macht es sich zu einfach.
Die Täter von Burbach, Essen und Bad Berleburg müssen zur Rechenschaft gezogen, die unhaltbaren Zustände in den Flüchtlingsheimen schnellstens abgestellt werden, keine Frage. Doch der Umgang mit Flüchtlingen ist eine nationale, mehr noch: eine europäische Aufgabe. Länder und Kommunen damit allein zu lassen, ist schäbig.
