In Berlin gibt es mächtig Gegenwind gegen die Nominierung Ursula von der Leyens als Präsidentin der EU-Kommission. Der Ärger über die umstrittene Entscheidung des Europäischen Rates ist verständlich. Schließlich soll der Kommissionschef aus dem Kreis der Spitzenkandidaten der europäischen Parteien kommen. Dass jetzt SPD-Politiker, wie der frühere Parteichef Sigmar Gabriel, mit schwerem Geschütz feuern und bereits offen mit dem Ende der Großen Koalition drohen, ist absurd. Wie bitte wollen die Sozialdemokraten den Wählern erklären, dass sie die Regierungsverantwortung abgeben wollen, aus Protest dagegen, dass nicht ihr niederländischer Wunschkandidat aus ihrer Parteienfamilie, sondern erstmals in der Geschichte eine Frau aus Deutschland an die Spitze der EU-Kommission rücken soll, wenn auch eine CDU-Politikerin? Noch dazu hat die SPD mit dafür gesorgt, dass CSU-Mann Manfred Weber von der EVP als Spitzenkandidat der stärksten Fraktion im EU-Parlament das größte Opfer im Postenpoker wurde. Die SPD sollte wieder von der Palme runterkommen. Mit ihrem Widerstand wird sie kaum punkten.