Zu dünn die Beweise und viel zu viele Zweifel: Nach dem Freispruch für Alt-Bundespräsident Christian Wulff steuert auch der Korruptionsprozess gegen seinen einstigen Sprecher, Olaf Glaeseker, einem Ende ohne strafrechtliches Urteil entgegen. Mit der Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage wäre auch der Wulff-Berater ein freier Mann, ebenso wie der mitangeklagte Party-Manager Manfred Schmidt. Bestechlichkeit und Bestechung – diese Vorwürfe könnten im Glaeseker-Prozess endgültig zu den Akten gelegt werden. Im Wulff-Verfahren steht noch (eventuell) ein Revisionsverfahren aus.

Tatsächlich blieb seit Prozessbeginn im Dezember mit jedem Zeugen weniger übrig vom Bild der Anklage, dass ein willfähriger Regierungssprecher (Glaeseker) für einen Party-Promoter (Schmidt) Sponsoren an Land zieht und sich dafür mit Freiflügen und Gratis-Urlauben entschädigen lässt. Glaeseker tat nichts anderes als zwei Ministerpräsidenten, mehrere Staatssekretäre und zeitweilig ganze Staatskanzleien. Zwei Landesregierungen wollten sich im Licht dreier Promi-Partys sonnen – und suchten dafür händeringend großzügige Geldgeber. Den Steuerzahler sollten die Sausen nur ja nicht belasten. Ob die Glanz- und Glamourfeste in der Nachbetrachtung überhaupt Sinn machten, kann man heute mit Fug und Recht bezweifeln.

Und die Gratis-Urlaube? Dass sich die beiden engen Freunde Glaeseker und Schmidt keine Rechnung für gegenseitige Besuche ausstellen, ist eine Selbstverständlichkeit. Nicht dagegen, Freiflüge anzunehmen. Glaeseker als Staatsdiener hätte wissen müssen, dass sich mit so viel Großzügigkeit schnell ein „Geschmäckle“ verbindet – selbst unter Freunden. Sollte der Prozess gegen eine Geldauflage tatsächlich eingestellt werden, zahlt Glaeseker nachträglich dafür den Preis. Für den Betrag hätte es sogar die Business Class bei den Flügen gegeben.

Den Staatsanwälten kommt das Ende des Glaeseker-Prozesses entgegen. Das Medieninteresse schwindet. Schon bei Wulff gab es Kritik wegen übereifriger Ermittlungen. Durch die Staatsanwaltschaft, die jetzt in der Edathy-Affäre um Kinderpornografie unter schwerstem Beschuss steht. Diesmal wegen Nichtstun. So ändern sich die Zeiten.