Natur und Ruhe, Unterhaltung und sportliche Aktivität – es gibt viele Gründe für einen Inselaufenthalt oder gar längeren Urlaub. Ihre Abgeschiedenheit nutzen viele Inseln, um ihre Alleinstellungsmerkmale zu schärfen: Sei es die Autofreiheit, das Reizklima oder die Naturschönheiten. Dabei können sie dank ihres geografischen Privilegs vieles ausprobieren, was am Festland (noch) undenkbar ist. Die autofreien Straßen sind auf etlichen Inseln schon Realität, die böllerfreien Inseln sind zumindest juristisch nicht so eindeutig durchsetzbar, in Sachen Natur- und Umweltschutz stehen die Inseln aber schon heute an der Spitze und sind Vorbild für andere.

Was den Alltag auf den Inseln erschwert, ist auch symptomatisch für das Leben auf dem (ländlichen) Festland: Medizinische Versorgung und funktionierende Verkehrsinfrastruktur sind auf den Inseln wie in den entlegenen Gemeinden aufwendig. Intelligente Lösungen, wie man zum Beispiel Geburtshilfe oder Pflege von Senioren organisiert, könnte man von den Inseln auf das Festland übertragen und umgekehrt. Ähnlich verhält es sich mit dem Klimaschutz. Eines der ersten E-Motorräder der Polizei wurde auf Borkum eingesetzt.

Das gravierendste Infrastrukturproblem der Inseln ist aber der bezahlbare Wohnraum. Das betrifft junge Insulaner wie auch Zugezogene, die auf einer Insel einer Arbeit nachgehen. Jeder Quadratmeter, der für touristische Bauten genutzt oder zweckentfremdet wird, fehlt beim Bau von Wohnungen für Insulaner. Das Problem hat auf der Insel Sylt zu einem Strom von Pendlern geführt, die regelmäßig am unzureichenden und von Zugausfällen geprägten Nahverkehr verzweifeln. Bei dem Wohnungsproblem sind die Landkreise als Genehmigungsbehörden, aber auch die Insulaner stärker gefragt. Freilich sind schon viele den Verlockungen erlegen, wenn für einen Quadratmeter Wohnraum etliche Tausend Euro erzielt werden können. Und man darf nicht vergessen, dass alle Inseln fast ausschließlich vom Tourismus leben. Intelligente und nachhaltige Modelle haben eine Chance. Die Insulaner haben es selbst in der Hand.