Kein Zweifel, der Ton wird rauer in Niedersachsens rot-grüner Regierungskoalition. Ob Küstenautobahn, Wassergesetz, City-Sperrungen oder Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2030 – die Zahl der Konflikte wächst fast täglich. Noch knirscht es nicht vernehmlich in der Regierungsarbeit. Aber die Grünen versuchen erkennbar, ihr Profil angesichts zweier wichtiger Wahlen – erst Bundestag, dann Landtag – zu schärfen.

Sowohl im Bund wie in Niedersachsen elektrisiert grüne Programmatik nicht gerade die Wähler. Das Atomthema reicht nicht. Immer deutlicher setzen die Grünen deshalb auf Verkehr, Klima/Umwelt und Verbraucherschutz. Weg mit der Massentierhaltung, lautet ein wichtiges Schlagwort, das vor allem Grünen-Landwirtschaftsminister Christian Meyer bedient.

Die Absetzbewegungen zur SPD sind jedoch (noch) keine Lockerungsübungen für Schwarz/Grün. Dafür sind die Gräben zwischen den traditionell linken Grünen in Niedersachsen und der Union einfach zu groß. Weit spannender sind die freundlichen Anmerkungen zur FDP, die derzeit auch von der SPD eine pflegliche Behandlung erfährt. In dieser Konstellation steckt viel Fantasie. In Rheinland-Pfalz funktioniert dieses Dreierbündnis ausgesprochen geräuschlos. Dass sich mit FDP-Fraktionschef Christian Dürr einer der stärksten Befürworter von Schwarz/Gelb für Niedersachsen spätestens im Herbst in Richtung Berlin verabschiedet, könnte solche Planspiele noch beflügeln.

In Niedersachsens Parteienlandschaft kommt Bewegung. Die nächsten Monate versprechen noch viel Spannung.