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NWZonline.de Nachrichten Politik Meinung

Eine Revolutionärin aus der Bronx

13.07.2018

Washington Barack Obama begann als Sozialarbeiter in den Elendsvierteln von Chicago, bevor er es als Jung-Senator dann in kurzer Zeit zum Präsidenten schaffte. Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, an die viele US-Demokraten denken, wenn sie heute auf die 28-jährige Alexandria Ocasio-Cortez blicken. Sie ist – wie einst Obama – in der Nähe der „Projects“ zu finden, jenen von Armut geprägten Vierteln der Unterprivilegierten. Nicht in Chicago, sondern der berüchtigten Bronx, dem von Schwarzen und Einwanderern aus Südamerika und von einer hohen Kriminalitätsrate geprägten New Yorker Stadtteil.

Dort fühlt sich die in den USA geborene Tochter puertoricanischer Eltern zuhause, und dort feierte sie Ende Juni ihren bisher größten politischen Erfolg, der sie ins nationale Rampenlicht und auf die Titelseiten der großen US-Tageszeitungen katapultierte. Bei den Vorwahlen ihrer Partei für einen Sitz im Kongress schlug sie mit 4000 Stimmen Vorsprung sensationell den langjährigen Posten-Inhaber und Washington-Insider Joe Crowley. Nun gilt ihr Einzug in das Kapitolsgebäude im November als Formalität, denn in der Bronx hat ihr republikanischer Gegner traditionell keine Chance.

Wer von Ocasio-Cortez persönlich hören will, was ihre politischen Vorstellungen sind, hat derzeit so gut wie keine Chance. Der Anrufbeantworter ihres Managers ist voll und akzeptiert keine neuen Nachrichten. Also bleiben vor allem ihre mit einem Mini-Budget produzierten Wahlkampf-Spots, um das Phänomen ihrer Blitzkarriere im Trump-Zeitalter erklären. Und was offensichtlich bei den Wählern Anklang fand, waren Positionen, die konträrer zur Politik des amtierenden Präsidenten nicht sein könnten: Freie staatliche Krankenversicherung für alle Niedrigverdiener. Die Abschaffung der oft fünfstelligen Jahresgebühren für Universitätsbesuche. Ein konsequentes Klimaschutz-Programm. Und, besonders provokativ: Die vollständige Abschaffung der Grenzpolizei ICE, die durch die Trennung von Migrantenfamilien zuletzt jede Menge Negativschlagzeilen produzierte.

Es sind Forderungen, die in ihrer Radikalität deutlich abseits des politischen „Mainstream“ liegen – aber dennoch den Wählern im linken Spektrum gut vermittelt wurden. Das dürfte auch an der Haustür- zu Haustür-Bewegung liegen, die Ocasio-Cortez unterstützt hat.

Friedemann Diederichs
Korrespondentenbüro Washington
Tel:
0441 9988 2018

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