Wer die Wahl hat, hat die Qual – aber eben auch die Macht, seine politischen Überzeugungen durchzusetzen. Das gilt zurzeit für die Grünen in Bremen. Weil sowohl CDU als auch SPD bei der Bildung einer neuen Koalitionsregierung zwingend auf die Grünen angewiesen sind, lassen diese sich kräftig umwerben und zieren sich, einen Partner zu präferieren. Nach dem Motto „Wer bietet uns mehr“ sehen sie die berechtigte Chance, ihre Themen (Klimaschutz, Verkehrswende, soziale Politik) größtmöglich durchzusetzen. Das ist ihr gutes Recht und gehört zur Machtpolitik dazu.

Dass es letztendlich doch wieder zu einer Koalition mit der SPD unter Hinzugabe der Linken kommen wird, ist dabei keineswegs sicher. Denn während die Grünen auf eine eher restriktive Ausgabenpolitik setzen, präferiert die Linke genau das Gegenteil. Sie will mehr soziale Wohltaten, obwohl der defizitäre Landeshaushalt dieses eigentlich nicht hergibt. Bliebe also ein Zusammenschluss der Grünen mit CDU und FDP. Doch auch dieser hat so seine Haken. Die Programmatik von Grünen und Liberalen klafft derart weit auseinander, dass beide Parteien über einen großen Schatten springen müssten, um zusammenzukommen.

Egal, welche Koalition es am Ende sein wird: Viele Bremer sind es leid, immer mit negativen Nachrichten bekannt zu werden. Ob Bildung, Arbeitslosigkeit, Kinderarmut – die rote Laterne ist der Hansestadt sicher. Weiteres Negativ-Beispiel gefällig? Während andere Bundesländer spätestens am frühen Morgen nach der Wahl das Endergebnis präsentieren können, stand es in Bremen auch bis Donnerstagnachmittag nicht fest. Die Begründung: Das Wahlamt war von der hohen Anzahl der abgegebenen Stimmen überrascht worden! Das steht fest: Es kann nur besser werden.

Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff Politikredaktion (Newsdeskmanager)