Das Land Niedersachsen möchte 100 Sozialarbeiter einstellen, die an 150 Grundschulen Dienst tun sollen. Eine gute Nachricht. Sozialarbeiter kann es eigentlich nicht genug geben, die sich um Dinge kümmern können, die im Schulalltag zu kurz kommen und die gleichwohl erledigt werden müssen. Denn Schulen sollen oder müssen zunehmend mehr Konflikte schlichten, weil Aufgaben, die eigentlich im Elternhaus gelöst werden müssten, in die Schulen verlagert wurden und werden.

Im konkreten Fall sind die zusätzlichen Sozialarbeiter für die Betreuung von Flüchtlingskindern bestimmt. Sie sollen für ein gutes Schulklima sorgen, für Gruppen- und Freizeitangebote sorgen. Damit übernehme das Land mehr Verantwortung in der schulischen Sozialarbeit, beurteilt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) die Entscheidung. Das kann man auch ganz anders sehen: Das Land hat sich in den vergangenen Jahren, übrigens nicht erst seit der rot-grünen Regierungsübernahme, aus der Verantwortung für Schulsozialarbeit herausgemogelt. Es fehlt an vielen weiterführenden Schulen an Sozialarbeitern – ob es nun Förderschulen, Oberschulen, integrierte Gesamtschulen oder Gymnasien sind.

Bürger, die die Debatte um die Flüchtlingskrise verfolgt haben, kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Erst in der Situation, als in Gemeinden und Städte zahlreiche Flüchtlinge samt ihrer Kinder unterzubringen und zu versorgen sind, wird Geld zur Verfügung gestellt. So begrüßenswert das Bekenntnis zur Schulsozialarbeit ist, es verwundert nicht, wenn das mancher als Schieflage empfindet. Jahrelang wurden Ressourcen knapp gehalten, auf einmal kann die Kultusministerin 100 Mitarbeiter einstellen. Der Eindruck, der da entstehen könnte, ist fatal: Für Flüchtlinge ist Geld da, für uns nicht. So kann eine an sich gute Nachricht das Unbehagen in der Gesellschaft über die Bewältigung der Flüchtlingskrise fördern. Die 100 zusätzlichen Schulsozialarbeiter sind willkommen, ebenso die Sprachlernklassen, damit Flüchtlingskinder schnell unsere Sprache lernen. Schön wäre es aber, wenn solche Ressourcen zur Grundausstattung gehörten und nicht als Nothilfe missverstanden werden können.