Als „praktikabel und unkompliziert“ preist Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) die Regelung, um schnelle Abschüsse von Wölfen zu erleichtern. Künftig soll nach dem Riss eines Weidetieres 21 Tage lang auf Wölfe geschossen werden dürfen, die sich im Umkreis von 1000 Metern von einer Rissstelle aufhalten. Anders als bisher müsse dafür nicht das Ergebnis einer DNA-Analyse abgewartet werden. Das niedersächsische Aktionsbündnis „Aktives Wolfsmanagement“ spricht von einem positiven Signal für die Weidetierhalter. Selbst Umweltverbände wie der BUND bezeichnen die Vorschläge als „akzeptabel“. Aber sind sie auch geeignet, den Konflikt auf der Weide zu befrieden? Das ist zweifelhaft.
Zwar müssen die Behörden nicht mehr den individuellen Nachweis erbringen, dass ein bestimmter „Problemwolf“ gerissen hat. Aber mit der Lemke-Lösung können die Betroffenen ebenso wenig sicher sein, den richtigen Isegrim erwischt zu haben. Die 21-Tage-Regelung und der 1000-Meter-Radius wirken recht willkürlich. Wann beginnen denn die 1000 Meter? Ab Zaungrenze? Ab Tierkadaver? Und wenn dieses Vorgehen unkompliziert ohne nationale oder europäische Gesetzesänderungen umsetzbar ist, warum durften die Länder diesen Weg nicht schon längst gehen? Hier muss Lemke Aufklärungsarbeit – auch gegenüber der Europäischen Kommission – leisten.
Schon gar nicht handelt es sich bei dem jüngsten Vorschlag aus Berlin um den Einstieg in ein regionales Bestandsmanagement, für das Ministerpräsident Weil und sein Umweltminister Meyer seit längerer Zeit kämpfen. Um „wolfsfreie Zonen“, etwa an den Deichen oder der Lüneburger Heide, zu erhalten, muss eine effektive Bejagung möglich sein. Kilometerlange Zäune mit Untergrabschutz entlang der Deiche sind technisch wie finanziell eine Illusion. Eine echte Perspektive für die Weidetierhalter an der Küste ist das nicht. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Lemke das unwürdige Pingpong-Spiel mit den Ländern fortsetzt. Deren Geschlossenheit bei der Umweltministerkonferenz Ende November wäre ein wichtiges Signal in Richtung Berlin, damit beim Herdenschutz endlich mehr Realismus einkehrt.
