Europa wirkt wie paralysiert. Am Tag vier nach der Griechenland-Wahl hatte man sich gerüstet für die absehbare Schlacht mit dem neuen Mann in Athen. Doch in dem Stimmenwirrwarr der griechischen Regierung ist noch nicht auszumachen, wer für welche Linie steht. Auch wenn Tsipras neu im Amt ist – was hätte es Wichtigeres gegeben, als erste überlegte Signale an die zu senden, mit denen er über die Zukunft seines Landes verhandeln will?
Die Aufgeregtheit in den übrigen 27 EU-Hauptstädten schadet Griechenland. Aber sie wurde und wird in Athen gezüchtet. Man hätte sich gewünscht, dass die Polemik im Vorfeld des Urnengangs schneller in politische Nüchternheit umgeschlagen wäre – um Freunde und Verbündete, die die Hellenen gerade jetzt brauchen, nicht zu verprellen.
Wenn Tsipras seine europäischen Partner nicht restlos verlieren will, muss er schnell Vertrauen schaffen – sowohl in Sachen Euro-Mitgliedschaft als auch in Fragen der Außenpolitik.
