Es war der griechische Ministerpräsident höchstpersönlich, der nach dem Spitzengespräch beim EU-Gipfel vor zehn Tagen zugesagt hatte: „Jetzt geht alles sehr schnell.“ Doch offenbar gilt nicht einmal sein Wort.
Was die Beamten von Finanzminister Gianis Varoufakis am Wochenende in Brüssel präsentierten, kam einer offenen Beleidigung gleich. Ein nur in Griechisch und auf Tablets verfügbares Dokument, an dem man nicht arbeiten und das man auch nicht prüfen konnte. Athen führt sich in den Gesprächen mit seinen Geldgebern auf, als hätte man endlos Zeit und könne taktieren.
Dabei lautet die Botschaft dieses Wochenendes: Griechenlands Regierung hat bereits viel zu viel Zeit verspielt. Die Experten der US-Ratingagentur Fitch, die die hellenischen Papiere nunmehr auf Ramschniveau setzten, sagten das deutlich: Noch Ende vergangenen Jahres gab es positive Signale. Die sind verklungen. Das Land steht vor dem Bankrott.
Warum man vor diesem Hintergrund auch noch die letzten Sympathien der Einzigen, auf deren Hilfe Athen noch hoffen kann, verspielt, verstehe, wer will. Es scheint, als wolle die Links-Rechts-Koalition eine Konstellation heraufbeschwören, die einen Euro-Ausstieg unumgänglich macht, den man dann aber den unwilligen Geldgebern in die Schuhe schieben kann.
Die nächste Woche könnte entscheidend sein. Weil Athen entweder einlenken oder der Union den Rücken kehren wird. Aber beide Varianten sind keine Erleichterung für den Euro. Im ersten Fall wird ein drittes Hilfspaket unvermeidlich sein. Der zweite Weg stürzt das Land in Probleme, die ebenfalls ohne Hilfe von außen nicht zu meistern wären.
So bleibt Brüssel gar nichts anderes übrig, als weiter alles zu tun, um Hellas zu halten – und darauf zu hoffen, dass die Regierung irgendwann auf eine verlässliche Politik einschwenkt. Was die Geldgeber fordern, ist weder unanständig noch überzogen. Der Katalog enthält, was Irland, Spanien, Portugal und sogar Zypern wieder auf die Straße des Wachstums zurückgebracht hat. Das wäre auch in Griechenland möglich.
