Es war Franz Josef Strauß, der unvergessene Übervater der CSU, der im Zwist mit der Schwesterpartei ernsthaft die Ausweitung seiner Partei auf die ganze Bundesrepublik erwog. Schnell fanden sich zahlreiche „Freundeskreise“, die mit der Parole von der „Vierten Partei“ die Stimmung diesseits des Weißwurst-Äquators erkundeten. Zum Bruch kam es schließlich nicht, weil CDU und CSU mithilfe der FDP 1982 an die Macht zurückkehrten. Wer die rhetorischen Scharmützel zwischen Münchner Parteizentrale und Berliner Adenauer-Haus in diesen Tagen verfolgt, könnte sich an die Trennungsdebatten der Vergangenheit erinnert fühlen.

Rücksicht auf partnerschaftliche Gefühle wird schon lange nicht mehr genommen. Zwar bleibt die Bundeskanzlerin in der Asyldebatte weiter abgetaucht, doch ungehemmt dreschen ihr Kettenhund Volker Kauder und der CSU-Parteichef aufeinander ein. Anlass ist die vom Bundesinnenminister per Interview im österreichischen Fernsehen angekündigte Wiederöffnung der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Dass er die von einer solchen Maßnahme vor allem betroffenen Bayern nicht zuvor informierte, ist wahrlich starker Tobak. Aber es zeigt mehr als deutlich, wie wenig die Bundesregierung bereit ist, Rücksicht auf den Koalitionspartner aus Bayern zu nehmen. Was natürlich nicht nur beim CSU-Vorsitzenden große Verärgerung auslöst. Kronprinz Markus Söder geißelt die Vorgehensweise des Innenministers als ganz schlechten Stil.

Doch anders als bei Franz Josef Strauß selig traut in der CDU niemand dem heutigen Parteichef einen Separationskurs zu. Der bayerische Löwe brüllt, beißt aber nicht.

Parteienforscher sehen eine bundesweit agierende CSU immerhin bei rund 15 Prozent der Wählerstimmen, die keineswegs allein von der Schwesterpartei kommen würden. Gemeinsam näherten sich die CSU und die dann auch in Bayern antretende CDU der 50-Prozent-Grenze: Beide zusammen könnten auf einen Koalitionspartner verzichten. Doch grau ist alle Theorie. Einmal gab es schon eine CSU, die außerhalb Bayerns um Stimmen warb: Im Saarland holte sie 1955 nur 0,6 Prozent und löste sich kurz danach wieder auf.