Hockenheim - Sebastian Vettel hatte keinen Raum gelassen für Interpretationen. Genervt von der Diskussion um den Cockpitschutz in der Formel 1 machte der Ferrari-Pilot deutlich, worum es eigentlich geht. „Natürlich gefällt uns nicht besonders, wie der Halo aussieht. Aber nichts rechtfertigt den Tod eines Rennfahrers“, sagte Vettel in Hockenheim: „Wir haben die Chance, die Sicherheit zu verbessern, alles andere wäre dumm.“

Doch Vettels Worte waren gerade wenige Stunden alt, da nahmen die Macher der Formel 1 ihnen den Schwung: Die vom Großteil der Fahrer geforderte Konstruktion Halo wird 2017 nicht auf die Autos gebaut, der Kopf der Piloten bleibt auch im kommenden Jahr ungeschützt. Das entschied die Strategiegruppe der Königsklasse am Donnerstagabend vor dem Großen Preis von Deutschland an diesem Sonntag (14 Uhr/RTL).

Es ist ein durchaus bemerkenswerter Vorgang. Denn die Fahrer, die direkt Betroffenen, waren in ihren Aussagen zuletzt mehrheitlich ziemlich deutlich. Sie wollten den Halo, „und wir wollen ihn schon in der kommenden Saison“, sagte Mercedes-Pilot Nico Rosberg. Sogar sein Teamrivale Lewis Hamilton, anfangs einer der großen Gegner der Idee, lenkte ein: „Der Halo erhöht die Überlebenschance um 17 Prozent, das können wir nicht ignorieren. Es ist eine Frage der Sicherheit, das müssen wir alle akzeptieren.“

Doch am Donnerstag wurde ein häufig thematisiertes Problem erneut offengelegt: Geht es um Entscheidungen in der Königsklasse, dann stehen die Fahrer ziemlich weit unten in der Nahrungskette. In ersten Reaktionen nannten Vertreter der Strategiegruppe (Teamchefs, Weltverband FIA und Bernie Ecclestones Formel-1-Management) am Freitag die noch unzureichende Erprobung des Cockpitbügels als Grund für die Verschiebung. 2018 soll, nach aktuellem Stand, ein nicht näher definierter Kopfschutz eingeführt werden.

Vor nur spärlich besetzten Rängen setzte Rosberg am Freitag ein klares Signal und stimmte sich mit den schnellsten Runden auf das Heimrennen ein. Der gebürtige Wiesbadener fuhr in beiden anderthalbstündigen Trainingseinheiten auf dem Hockenheimring die Bestzeit.