Nürburg - Nach dem schockierenden Unfall-Tod eines Zuschauers bei einem Langstreckenrennen auf dem Nürburgring hat der Deutsche Motorsport-Bund (DMSB) vorerst ein Startverbot für die GT3-Rennwagen auf der legendären Nordschleife verhängt. „Wir können und wollen nach einem Unfall dieser Art nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte DMSB-Generalsekretär Christian Schacht am Sonntag.

Trotz des vom Weltverband FIA vorgeschriebenen Fangzaunes war am Sonnabend beim Rennen auf der Nordschleife ein Auto in die Zuschauer geflogen und hatte einen 49-jährigen Niederländer getötet. Das Opfer starb nach Angaben des Veranstalters trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen noch im Medical-Center der Rennstrecke. Zwei weitere Zuschauer wurden bei dem Unfall verletzt.

Auch der 23-jährige britische Nissan-Pilot Jann Mardenborough, der die Kontrolle über seinen Boliden verloren hatte, musste im Krankenhaus behandelt werden. Er und die beiden verletzten Zuschauer konnten das Hospital wieder verlassen, teilte sein Rennstall am Sonntag mit.

Die Motorsport-Welt reagierte bestürzt. Der Nissan-Rennstall sprach von einer „Tragödie“. Es sei „unfassbar traurig, dass heute ein Zuschauer sein Leben bei unserer Leidenschaft verloren hat“, schrieb Mercedes-Fahrer Jan Seyffarth, der bei dem Rennen von der Pole Position gestartet war.

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Koblenz begannen schon am Sonnabend mithilfe eines Gutachters mit den Ermittlungen zum genauen Unfallhergang. Der Unfallwagen wurde von der Polizei sichergestellt.

Das Drama hatte sich knapp eine Stunde nach dem Start ereignet. Bilder zeigen, wie das Auto mit der Nummer 23 kurz vor einer Rechtskurve komplett abhebt, sich in der Luft praktisch senkrecht aufstellt und dann gegen einen Reifenstapel kracht. Von dort flog der Wagen offenbar über den FIA-Sicherheitszaun in die Zuschauer. Das Rennen wurde sofort abgebrochen und nicht wieder gestartet.

Der Unfall ereignete sich im Bereich „Flugplatz“, einem der schnellsten Abschnitte der legendären Nordschleife. Dort erreichen die Sportwagen bei trockenen Bedingungen wie am Sonnabend oft Geschwindigkeiten von weit mehr als 200 Stundenkilometern.

Die auf vier Stunden angesetzte „61. ADAC-Westfalenfahrt“ ist ein Teil einer der Breitensport-Rennserie VLN und sollte auch zur Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring Mitte Mai dienen. Von der Sofort-Entscheidung des DMSB betroffen sind auch die werksunterstützten Wagen von Aston Martin, Audi, Bentley, BMW, Mercedes und Nissan. Ihr Start am 12. April beim Qualifikationslauf für das 24-Stunden-Rennen ist nun mehr als fraglich.

Im Sommer 2013 hatte der Tod eines Rennfahrers die deutsche Langstreckenmeisterschaft (VLN) auf dem Nürburgring überschattet. Ein 55-jähriger Opel-Pilot war am Steuer nach einem Herzinfarkt gestorben. Der Vorfall am Sonnabend war der erste in der 38-jährigen Geschichte der Rennserie, bei dem Zuschauer zu Schaden kamen.