Spa-Francorchamps - Nach dem Horrorcrash von Spa-Francorchamps zerbricht sich die Formel 1 den Kopf über die größte Risikoquelle: Das offene Cockpit. „Uns und, ich denke, allen Ferrari-Fans ist das Herz stehen geblieben bei dem Unfall“, meinte Scuderia-Teamchef Stefano Domenicali und forderte ebenso wie Fernando Alonso Konsequenzen. Am Kopf des spanischen WM-Spitzenreiters war der Lotus von Unfallverursacher Romain Grosjean nur um Zentimeter vorbeigeflogen.

Uneinigkeit herrscht aber insgesamt, ob eine Art Jet-Kanzel, bei der eine Haube über das Cockpit gezogen wird, die Lösung sein kann. Geprüft wird eine solche Variante seit langem. Auslöser waren zwei Unfälle vor drei Jahren. In Ungarn wurde Alonsos Teamkollege Felipe Massa von einer Metallfeder trotz Helms schwer am Kopf verletzt. Formel-2-Pilot Henry Surtees verunglückte 2009 in Brands Hatch tödlich. Er war von einem Reifen, der sich am Wagen eines Konkurrenten gelöst hatte, ebenfalls am Kopf getroffen worden.

Der letzte tödliche Unfall in der Formel 1 liegt 18 Jahre zurück: Am 1. Mai 1994 war der dreimalige Weltmeister Ayrton Senna in Imola tödlich verunglückt. Am Tag zuvor war der Österreicher Roland Ratzenberger ebenfalls nach einem Unfall gestorben.

Damit das nie wieder passiert, wurden die Sicherheitsmaßnahmen enorm verbessert. Auch deshalb überstanden die Rennfahrer selbst spektakulärste Unfälle schadlos, wie etwa der Pole Robert Kubica 2007 in Montréal. Nur der bis auf den Helm schutzlose Kopf bleibt ein Risiko.

„Wir arbeiten mit dem Verband an dem richtigen Schutzsystem“, sagte Domenicali. „Mit dem, was wir getestet haben, können aber auch Probleme auftreten.“ Eine Sorge in Sachen Jet-Kanzel ist, dass die Piloten bei einer Gefahrensituation wie zum Beispiel Feuer im Cockpit nicht schnell genug aus dem Wagen klettern können.

Hinsichtlich des Verhaltens der Fahrer auf der Strecke forderten Alonso und Domenicali Konsequenzen für die Nachwuchsklassen. „Es wäre besser, wenn in den Junior-Serien die Regeln zum Verhalten auf der Strecke unbeugsam durchgesetzt würden. Dann wären die Fahrer so gut wie möglich auf die höchste Klasse des Motorsports vorbereitet“, sagte Domenicali.