Sepang - Er zeigte endlich wieder den Vettel-Finger und schmückte seine rote „Eva“ mit einer Ferrari-Fahne. Nach seinem historischen Triumph mit dem italienischen Rennstall vergoss ein überwältigter Sebastian Vettel auf dem Podium Freudentränen.

„Das ist ein ganz besonderer Tag, ich bin unglaublich stolz. Da werden Kindheitsträume wahr“, rang er um Fassung. „Das wird mir bis zum Lebensende im Gedächtnis bleiben.“ Der Heppenheimer krönte am Sonntag seine grandiose Formel-1-Vorstellung beim Großen Preis von Malaysia zu seinem ersten Scuderia-Sieg.

Im packenden Reifenpoker von Sepang, das noch bis 2018 Gastgeber sein wird, feierte Vettel (27) seinen 40. Karriere-Erfolg und zeigte den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg diesmal die Grenzen auf. „Wir werden zurückschlagen. Das werden wir uns nicht gefallen lassen“, kündigte Rosberg an. „Ferrari hat den Sieg verdient“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: „Für uns war das ein Weckruf.“

Vettel holte seinen ersten Sieg seit dem 24. November 2013 in Brasilien und bescherte der Scuderia den ersehnten ersten Triumph mit einem deutschen Fahrer seit Michael Schumacher im Oktober 2006 in China. „Grande Seb“, adelte die Scuderia über Boxenfunk ihren Neuling. „Ferrari ist zurück, fantastico.“

Während Schumacher bis zu seinem siebten Grand Prix am 2. Juni 1996 in Barcelona auf seinen ersten Sieg in Rot warten musste, schaffte es Vettel schon im zweiten Anlauf – und fuhr den insgesamt 222. Sieg für Ferrari ein.

Der Brite Hamilton verpasste als Zweiter zwar seinen 35. Grand-Prix-Sieg, bleibt aber Führender in der Gesamtwertung. Vettel ist nach dem ersten Ferrari-Sieg seit Mai 2013 in Spanien nun WM-Zweiter vor Rosberg. Kimi Räikkönen rundete als Vierter das Traumergebnis für Ferrari ab. Der niederländische Toro-Rosso-Pilot Max Verstappen holte mit 17 Jahren und 180 Tagen als jüngster Formel-1-Fahrer mit seinem siebten Platz erste Punkte – und das ohne einen Kfz-Führerschein.

Hamilton erwischte zunächst einen Start nach Maß und spulte als Führender die ersten Kilometer ab. Dahinter kamen sich Vettel und Rosberg gefährlich nahe. Eine Safety-Car-Phase in Runde vier nutzten unter anderen die Silberpfeile zum Boxenstopp. Vettel hingegen verzichtete und setzte sich an die Spitze.

In Runde zehn übernahm der Brite die Rolle als erster Vettel-Verfolger. Acht Umläufe später kam der Hesse erstmals zum Reifenwechsel und verlor die Spitzenposition. Im Führungskrimi setzte sich nach Hamiltons zweitem Stopp in Runde 25 wieder Vettel an die Spitze. Doch der Brite holte Sekunde um Sekunde auf.

Vettel kam nach seinem zweiten Stopp knapp vor Rosberg auf die Strecke zurück, ging nach Hamiltons drittem Aufenthalt in der Garage wieder in Front und hielt dem Druck seiner Verfolger stand.