HAMBURG - Flavio Briatore verzichtete aus Diät-Gründen auf den Champagner, seinen Gegnern war erst gar nicht nach Feiern zumute. „Die Lebenssperre des Formel-1-Betrügers Flavio Briatore ist aufgehoben, der Sport stürzt ins Chaos“, kommentierte die britische Boulevard-Zeitung „The Sun“ am Mittwoch das Urteil des „Tribunal de Grande Instance“ in Paris, das die Verbannung des Italieners aus dem Motorsport für unbestimmte Zeit als unzulässig erklärt hatte.
Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone fürchtet nun: „Diese Sache ist noch nicht vorbei.“ Mit der Rückkehr des PS-Paradiesvogels, der 2008 in Singapur einen Unfall angewiesen haben soll, rechnet Ecclestone allerdings nicht. Er sei aber „willkommen“ im Fahrerlager, meinte der Briatore-Kumpel und -Geschäftspartner.
Der 59-jährige Briatore will sich ohnehin erst einmal nur freuen über den „Sieg durch K.o.“ und das Leben genießen. Danach denke er an die „Formel Kind“, schließlich werde er im März Vater. Dann sei auch genug Zeit, über eine Rückkehr zu sinnieren.
Briatore nutzte aber die Gelegenheit und rechnete mit Max Mosley, Ex-Präsident des Internationalen Automobil-Weltverbandes FIA, ab. „Erst hatte Mosley versucht, mir die WM zu nehmen – erst mit Schumacher, dann mit Alonso – dann wollte er mich mit dieser Geschichte zerstören“, so Briatore, der auch rechtliche Schritte gegen Nelson Piquet Jun. erwägt.
Mit seiner Aussage hatte der Brasilianer den Skandal um den inszenierten Unfall ins Rollen gebracht. Briatore soll ihn damals dazu angewiesen haben. Von der Safety-Car-Phase profitierte Piquets Teamkollege bei Renault, Fernando Alonso. Der Spanier gewann damals das Rennen.
Der FIA dürfte das Urteil noch lange schwer im Magen liegen. Die Sperre, die der Motorsport-Weltrat am 21. September 2009 verhängte, habe solange Bestand, bis eine mögliche Berufung gegen das Pariser Urteil geklärt ist, hieß es vom Verband bereits. „Nun kann die FIA von vorne beginnen – und es wird so weitergehen und weitergehen“, so Ecclestone, selbst Weltrat-Mitglied. Vor allem der neue FIA-Präsident Jean Todt ist nun gefragt. Ecclestone riet ihm bereits, Briatore anzurufen und ein Gespräch zu führen.
