Köln - Jacky Ickx kennt diese Frage, er hört sie seit mehr als 30 Jahren. Seine Karriere zählt zu den erfolgreichsten im Motorsport, nur die Formel-1-Weltmeisterschaft hat der Belgier nie gewonnen – fehlt da nicht etwas? „Nein“, sagt Ickx dann geduldig, „die Tatsache, dass ich nach 100 000 Runden noch lebe: Das ist meine Meisterschaft.“
Am Neujahrstag wird der Belgier 70 Jahre alt, und das haben nicht alle Rennfahrer seiner Generation geschafft. „Ich hatte einen sehr guten Schutzengel“, sagte der ehemalige Formel-1-Fahrer im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“, „es sind nicht viele aus dieser Motorsport-Ära übrig geblieben. Es ist keine Frage des Talents, überlebt zu haben. Es ist Glück.“
So wie am 1. September 1985, als Ickx in den tödlichen Unfall von Deutschlands Rennsport-Talent Stefan Bellof in Spa (Belgien) verwickelt war. „Das sind Dinge, die du niemals vergisst“, sagte Ickx in einer NDR-Reportage: „Das war schrecklich für mich, es war ein dummer und völlig unnötiger Unfall, die Folgen für ihn waren grausam.“
In einer Zeit, in der Motorsport noch ein lebensgefährliches Wagnis war, hat Ickx sich den Ruf als wohl vielseitigster Rennfahrer erworben. Zwei Vize-Weltmeisterschaften und acht Rennsiege holte er in der Formel 1, dazu sechs Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Le Mans sowie einen Triumph bei der Rallye Paris-Dakar.
Vater Ickx, ein Motorsportjournalist, schenkte seinem Sohn einst ein Motorrad, und das Talent war entdeckt. Bald stieg er auf vier Räder um. 1967 wurde er Formel-2-Europameister. Im Rahmen des Großen Preises der Formel 1 auf dem Nürburgring sorgte der Nachwuchsfahrer für einen Paukenschlag: Im leistungsmäßig unterlegenen Formel-2-Boliden gelang Ickx die drittbeste Qualifikations-Zeit aller Piloten, fast das gesamte Feld der Königsklasse ließ er damit hinter sich.
„Dieser Auftritt am Nürburgring“, erinnert sich Ickx, „öffnete mir einen neuen Weg, der zu Ferrari führte“. Der Einstieg war geschafft. 1969 und 1970 wurde er Vizeweltmeister, seine sechs Le-Mans-Siege erstreckten sich über 13 Jahre, 1983 gewann er im Mercedes die Rallye Paris-Dakar. Erst Mitte der 1990er-Jahre zog Ickx sich aus dem aktiven Motorsport zurück. Heute verbringt er mit seiner Frau Khadja Nin, einer erfolgreichen Sängerin aus Burundi, viel Zeit in Afrika. Und erfreut sich an seinem Leben. „Ich bin hier“, sagt Ickx, „ich lebe. Und ich habe allen Grund glücklich zu sein“.
