Der TV-Mann äußert sich zur Lage in Bahrain. In Europa könnten viele Rennstrecken finanziell nicht mehr mithalten.
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FRAGE:
Herr König, Sie waren am Wochenende beim umstrittenen Rennen in Bahrain. Wie haben Sie die Lage erlebt?
FLORIAN KÖNIG
: Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Bahrain gefahren, da ich nicht wusste, was mich erwartet. Ich fragte mich, ob die Formel 1 vielleicht instrumentalisiert werden könnte. Letztlich gab es zwar Demonstrationen. Aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt und fühlte mich jederzeit sicher. Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit, die dadurch auf Bahrain gelenkt wurde, dazu führt, dass sich etwas ändert.
FRAGE:
Wie stehen Sie zur Aussage von Bernie Ecclestone, dass auch zukünftig in Bahrain gefahren werden soll?
KÖNIG
: Ich kann das schwer beurteilen. Die Organisatoren der Formel 1 und Bernie Ecclestone selber haben auch das Recht zu sagen: Es hat alles reibungslos geklappt. Warum soll man dort nicht wieder fahren? Ich hoffe, dass 2013 die Situation besser ist.
FRAGE:
Kann man überhaupt ein sportliches Großereignis in einem Land austragen, das mit politischen oder sozialen Unruhen zu kämpfen hat?
KÖNIG
: Man kann sich schon darüber Gedanken machen. Aber dann müsste man auch über Olympische Spiele in China reden oder andere Veranstaltungen überdenken. Ich hoffe, dass sich die Sportverbände ihrer Verantwortung bewusst sind.
FRAGE:
Ecclestone hat gesagt, dass die Formel 1 keine Europameisterschaft, sondern eine Weltmeisterschaft ist. Ist die Verlagerung hin zu den neuen Märkten sinnvoll?
KÖNIG
: Der Trend ist so, dass die großen neuen Märkte, die für die Konzerne und die Formel 1 interessant sind, in Asien und Arabien liegen. Hier ist es möglich, der Formel 1 die Antrittsgage zu zahlen, die sich viele traditionelle Rennstrecken in Europa nicht mehr leisten können. Zudem sind viele Regierungen in Europa nicht mehr bereit, die Formel 1 zu unterstützen. Die Folge ist, dass Traditionsrennstrecken wie Imola nicht mehr im Kalender sind.
FRAGE:
Plakativ ausgedrückt: Geld regiert auch den Sport?!
KÖNIG
: Nein, das wäre zu einfach. Ich sage, das Gewicht hat sich etwas verlagert.
FRAGE:
Und die Rolle der deutschen Strecken. Wie ist es um den Nürburgring bestellt?
KÖNIG
: Der Nürburgring ist in einer schwierigen Situation. Dort wurde mit vielen auch öffentlichen Geldern ein Konzept erstellt, das noch nicht aufgeht. Private Betreiber haben die Segel streichen müssen. Der Nürburgring alleine kann nicht überleben. Das heißt: Land und Bund müssten sich engagieren. Ob das politisch durchsetzbar ist, kann ich nicht beurteilen. Der Name Nürburgring hat einen Klang wie nur ganz wenige Strecken. Es wäre schade, wenn die Königsklasse dort nicht mehr fahren würde.
FRAGE:
Die Technik spielt eine immer größere Rolle, das fahrerische Können gerät in den Hintergrund. Rekordweltmeister Michael Schumacher hat sich jüngst über die Reifen beklagt. Wie ist diese Entwicklung zu bewerten?
KÖNIG
: Das war schon immer so. Gerade in der Formel 1 war und ist das Fahrzeug wichtiger als der Pilot. Viele Entwicklungen sollten dazu führen, dass es keine langweiligen Prozessionsfahrten gibt wie früher. Jetzt haben wir durch die Reifen die Situation, dass derjenige, der besser auf seine Reifen aufpassen kann, länger schnell fahren kann. Dadurch gibt es viele Positionsveränderungen und interessantere Rennen. Das mag Michael Schumacher nicht. Wie in vielen Dingen muss er sich da anpassen. Das ist ihm auch immer gut gelungen.
FRAGE:
Wie lange macht er das noch mit?
KÖNIG
: Ob er seinen Vertrag noch mal verlängert, weiß ich nicht.
FRAGE:
Was macht für Sie den Reiz an der Formel 1 aus?
KÖNIG
: Die Formel 1 ist eine wirkliche WM. Wir haben 20 Rennen auf 5 Kontinenten. Und es sind immer wieder diese 500 Meter Boxengasse, 500 Meter Fahrerlager auf diesem kleinen Fleckchen Erde ballen sich so viele interessante Dinge. Das ist eine besondere Atmosphäre. Ich fand schnelle Autos schon immer toll. Es sind viele Faktoren, die mich auch nach 16 Jahren noch denken lassen, dass ich es nicht so schlecht erwischt habe mit meinem Job.
NWZ
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