KUALA LUMPUR - Lewis Hamilton flüchtete wortlos von der Strecke, seinen Chefs Martin Whitmarsh und Norbert Haug stand der Schreck ins Gesicht geschrieben: Die Folgen der Entscheidung der Rennkommissare, den Formel-1-Weltmeister und sein Team McLaren-Mercedes nachträglich aus der Wertung des Grand Prix von Australien zu streichen, sind für das sportlich schwer gebeutelte silberne Lager im malaysischen Kuala Lumpur kaum abzusehen. Denn die Glaubwürdigkeit ihres Chefpiloten und des Teams ist durch die Begründung des Urteils schwer erschüttert.
Die Kommissare bezichtigten Hamilton und den Rennstall, sie „absichtlich irregeführt“ zu haben und damit indirekt der Lüge. Zugleich setzten die Funktionäre des Automobil-Weltverbandes FIA den erleichterten Toyota-Piloten Jarno Trulli wieder auf Platz drei und hoben die in Melbourne ausgesprochene Zeitstrafe von 25 Sekunden wegen verbotenen Überholens in der Safety-Car-Phase auf. Hamilton war durch das Urteil von Australien vom vierten auf den dritten Rang vorgerückt, Trulli auf Platz 12 gefallen.
Am Donnerstag lieferte die FIA Belege dafür, dass der Titelverteidiger und McLaren-Mercedes in der Verhandlung am Sonntag gegen Trulli „absichtlich Beweise“ vorgelegt hätten, durch die die Stewards zu einem falschen Urteil gekommen seien. Hamilton und Teammanager David Ryan haben laut FIA zweimal die Frage von Renndirektor Charlie Whiting verneint, ob es von Seiten des Teams die Anweisung gegeben habe, dass der Brite seinen Kontrahenten freiwillig vorbei lassen soll. Der protokollierte Funkverkehr bewies das Gegenteil.
Den Vorwurf der absichtlichen Falschaussage hatten Mercedes-Motorsportchef Haug und Teamchef Whitmarsh zuvor weit von sich gewiesen. „In unserem Team sagt niemand absichtlich etwas Falsches“, wehrte sich Haug in Kuala Lumpur, wo an diesem Sonntag (11 Uhr/RTL) der Große Preis von Malaysia startet. Dennoch verzichtet der Silberpfeil-Rennstall auf eine Berufung.
Ex-Weltmeister Niki Lauda hat die Entscheidung kritisiert. „Das ist nicht mehr vermittelbar und schadet der Formel 1 sehr. Es ist absurd, dass man vier Tage benötigt, um das Rennen zu sichten und ein Resultat festzulegen“, sagte er in einem Interview.
