LONDON - Ron Dennis hat mitten in der größten Krise von McLaren-Mercedes seinen Rücktritt als Chef erklärt und mit diesem Königsopfer den Silberpfeilen möglicherweise die Zukunft in der Formel 1 gesichert. Obwohl ein Zusammenhang als „spekulativ“ bezeichnet wurde, könnte das Team jetzt bei der Verhandlung zur „Lügen-Affäre“ vor dem Weltrat des Automobil-Weltverbandes FIA am 29. April in Paris den drohenden Ausschluss aus der Königsklasse verhindern.

„Wir haben in letzter Zeit einige Dinge falsch gemacht“, sagte Dennis-Nachfolger Martin Whitmarsh in Shanghai: „Wir müssen der FIA demonstrieren, dass wir erkannt haben, wie ernst die Sache war.“ Zuvor hatte der Brite im Motorhome in einer höchst angespannten Stimmung vor dem Großen Preis von China an diesem Sonntag (9 Uhr/RTL) die Mitarbeiter unterrichtet. Seine Mission nach dieser „substanziellen Änderung im Team“ sei es, eine „konstruktivere und gesündere Verbindung“ zur FIA aufzubauen.

Dennis behauptete, dass es seine eigene Entscheidung gewesen sei, nach seinem Rücktritt als Rennstall-Chef am 1. März nun auch den Vorsitz der McLaren-Gruppe abzugeben. Damit hat der 61-Jährige keinerlei Weisungsgewalt im Formel-1-Team mehr – das kann wegen der Privatfehde mit FIA-Präsident Max Mosley als Schritt gedeutet werden, die Richter bei der Verhandlung zur „Lügen-Affäre“ milde zu stimmen.

Die „Lügen-Affäre“ forderte damit nach Teamdirektor Dave Ryan das nächste Opfer. Whitmarsh, Nachfolger von Dennis als Rennstall-Boss, räumte ein, dass er ebenfalls seinen Rücktritt angeboten hatte. „Das haben die Aktionäre abgelehnt“, sagte Whitmarsh.

In den Prozess des wohl auch von den Aktionären geforderten Abschieds von Dennis sei auch Dieter Zetsche als Chef des Daimler-Konzerns involviert gewesen. Mercedes ist mit 40 Prozent Hauptaktionär bei McLaren.

Spekulationen, wonach Mercedes von McLaren zum bisherigen Kunden Brawn wechseln könnte, erteilte Mercedes-Sportchef Norbert Haug eine Absage. Stattdessen bedankte er sich bei Dennis für vier gemeinsam gewonnene Weltmeistertitel.