MANAMA - Die Formel-1-Familie hat vor dem umstrittenen Rennen in Bahrain an diesem Sonntag (14 Uhr/RTL) die Wut der Protestbewegung des Landes zu spüren bekommen. Vier Mechaniker des Force-India-Teams wurden auf ihrem Rückweg von der Strecke in Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften verwickelt, als in der Hauptstadt Manama ein Molotow-Cocktail in der Nähe ihres Busses landete.

„Es ist falsch, dass so etwas passiert. Wir sind hier, um ein Rennen zu fahren“, sagte Force-India-Pilot Nico Hülkenberg. Zwei Mitarbeiter des Teams traten aus Sorge um ihre Sicherheit nach dem Vorfall vorzeitig die Heimreise an.

Irritiert zeigte sich auch Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel nach dem Zwischenfall. „Mir ist so etwas noch nicht passiert. Und ich hoffe, dass mir so etwas in Zukunft auch nie passieren wird“, sagte der Red-Bull-Pilot am Donnerstag in Manama.

Grundsätzlich sehe er in Bahrain „kein großes Problem. Im Fahrerfeld sei dies kein Thema. Außerhalb kann es vielleicht ein Risiko sein. Aber das gilt auch für Brasilien“, meinte Vettel. In Sao Paulo war ein Auto mit McLaren-Pilot Jenson Button bei der Heimfahrt von der Strecke überfallen worden.

Ansonsten möchte er sich wie alle seine Fahrerkollegen auf den sportlichen Aspekt konzentrieren und sich nicht zu den politischen Diskussionen äußern: „Unser Job ist der Sport“, sagte Vettel. „Ändern können wir sowieso nichts“, meinte Hülkenberg.

Der Force-India-Rennstall war zwar nicht direktes Ziel des Angriffs, doch der Zorn der Regime-Kritiker über das Festhalten der Formel 1 am Bahrain-Gastspiel ist ungebrochen. „Wir protestieren, um der Formel 1 unseren Ärger zu zeigen, dass sie das Rennen hier veranstaltet“, sagte Menschenrechtler Nabeel Rajab vom „Bahrain Centre for Human Rights“. Der Internationale Automobilverband FIA hatte zuvor entschieden, den Grand Prix nicht wie 2011 aus Sicherheitsbedenken abzusagen.

Rund um die Rennstrecke war aber am Donnerstag nichts von der gespannten Lage zu spüren. Als Fürsprecher schickten die Organisatoren einen einst führenden Oppositionellen ins Medienzentrum, der den Journalisten versicherte, die Mehrheit der Bahrainis sei „glücklich“ über die Rückkehr der Formel 1.

Während sich die Formel-1-Rennställe der FIA-Vorgabe beugten und Williams eine Catering-Managerin entließ, die die Reise nach Bahrain verweigerte, zog der Deutsche Karsten Molitor sein MRS-Team vom Rahmenrennen des Porsche Supercups zurück. „Wir wollten damit keine Stellung beziehen, wir hatten Sicherheitsbedenken“, sagte Molitor.