MANAMA - Die Proteste gegen das Formel-1-Rennen in Bahrain haben Wirkung gezeigt. Das Force-India-Team verzichtete am Freitag aus Angst vor Zwischenfällen auf den Start beim zweiten Training, um vor Einbruch der Dunkelheit zurück im Hotel zu sein. Rund um die Strecke war mehr Polizei im Einsatz. Kronprinz Salman bin Hamad al-Khalifa berief angesichts wachsender Kritik eine Pressekonferenz im Fahrerlager ein und lehnte die Forderung nach einer Rennabsage ab. „Das würde die Macht der Extremisten stärken“, sagte der Kronprinz. Am Abend kam es dann im Nordwesten sowie in der Hauptstadt Manama zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Die Opposition beklagt eine Politik der Unterdrückung und fordert Reformen. Die Regime-Gegner kritisieren, die Formel 1 lasse sich von den Regierenden instrumentalisieren. 2011 war das Rennen wegen blutiger Unruhen gestrichen worden. An der Seite von Chefvermarkter Bernie Ecclestone verteidigte der Thronfolger das Festhalten des Königshauses und des Weltverbands an dem Grand Prix. „Wir sind ein echtes Land mit echten Problemen. Wir werden nicht sagen, dass wir perfekt sind“, erklärte er.
„Die Proteste haben nichts mit der Formel 1 zu tun“, beteuerte Ecclestone. Der Brite war sichtlich verstimmt darüber, dass der Force-India-Rennstall von Nico Hülkenberg kurz zuvor mit dem Verzicht auf weitere Übungsrunden ein Zeichen gesetzt hatte.
Am Mittwoch waren vier Mechaniker des Teams in Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei geraten. In der Nähe ihres Fahrzeugs war ein Molotow-Cocktail explodiert. Zwei Mitarbeiter von Force India haben inzwischen die Heimreise angetreten. An der Qualifikation an diesem Sonnabend und am Rennen an diesem Sonntag (14 Uhr/RTL) will das Team aber teilnehmen.
Am Freitag war auf dem Weg zum 30 Kilometer von Manama entfernten Kurs ein größeres Polizeiaufgebot im Einsatz als am Vortag. Zudem waren mehrere Straßensperren eingerichtet worden.
„Zwischenfälle oder gar Unruhen habe ich nicht beobachtet“, sagte Florian König, der für den Sender RTL vor Ort ist, am Freitag dieser Zeitung: „Man sieht aber die hohe Polizeipräsenz an der Strecke, die zum Parcours führt.“ Es sei schwer, die Situation einzuschätzen, berichtete König telefonisch nach seiner Rückkehr nach Manama.
Der Bezahlsender Sky, der das Rennen ebenfalls überträgt, hat aus „Sicherheitsgründen“ keine Mitarbeiter nach Bahrain geschickt. Der Sender übernimmt die Bilder eines anderen Produzenten und kommentiert sie von Deutschland aus. König wollte sich nicht dazu äußern, ob ein solches Vorgehen auch bei RTL ein Thema gewesen sei.
