MANAMA - Mit dem ersten Sieg gleich an die Spitze: Weltmeister Sebastian Vettel hat in der Wüste von Bahrain seine Durststrecke beendet und in einem der umstrittensten Rennen der Formel-1-Geschichte seinen ersten Erfolg seit fast einem halben Jahr eingefahren. Der deutsche Red-Bull-Pilot siegte beim Rennen im Krisenstaat Bahrain vor Kimi Räikkönen (Lotus) und dessen Teamkollegen Romain Grosjean.

„Das war ein perfekter Sonntag. Ich bin überglücklich, das war ein unglaubliches Rennen“, sagte Vettel. „Kimi war sehr schnell, deshalb war es sehr hart. Aber es hat einfach alles gepasst.“ Seinen zuvor letzten Sieg hatte der Titelverteidiger am 30. Oktober 2011 in Indien gefeiert. Danach war er für seine Verhältnisse lange fünf Rennen und inklusive Winterpause 175 Tage ohne Erfolg geblieben. In der WM-Wertung führt Vettel nun mit 53 Punkten vor dem bisherigen Spitzenreiter Lewis Hamilton (McLaren/49), der nach zwei verpatzten Boxenstopps nur Achter wurde.

Der finnische „Iceman“ Räikkönen holte schon im vierten Rennen nach seinem Comeback den Podiumsplatz, auf den Michael Schumacher nun schon seit 42 Rennen wartet. Der Rekordweltmeister sicherte sich in Bahrain als Zehnter jedoch seinen zweiten WM-Punkt, nachdem er wegen technischer Probleme von Rang 22 ins Rennen gestartet war. Nico Hülkenberg wurde im Force-India-Mercedes Zwölfter, Marussia-Pilot Timo Glock belegte Rang 19.

Eine Woche nach seinem unerwarteten Erfolg in China fuhr Mercedes-Pilot Nico Rosberg mit einem gebrochenen Auspuff auf Platz fünf, war aber dennoch zufrieden. „Es war Schadensbegrenzung, aber auch viel Positives dabei. Wir haben ja auch einige hinter uns gelassen“, sagte der 26-jährige Teamkollege Schumachers.

Für Aufsehen sorgte derweil ein hartes Manöver zwischen Rosberg und Hamilton. Die Rennleitung untersuchte den Zwischenfall umgehend, sprach Rosberg aber drei Stunden nach Rennende von Schuld frei. „Lewis hat mich neben der Strecke überholt“, klagte der Mercedes-Pilot via Boxenfunk. Einige Runden später verteidigte er seinen Platz dann ebenso verbissen gegen Fernando Alonso, der ihm wütend die Faust entgegenreckte. „Man muss immer Platz lassen“, schimpfte der Spanier über Funk.

Für die brisanteren Diskussionen hatte im Golfstaat aber während der gesamten Woche die politische Lage in Bahrain gesorgt und den Sport in den Hintergrund gedrängt. Täglich hatte es auf den Straßen Demonstrationen der Opposition gegen das umstrittene Königshaus gegeben. In der Nacht zu Sonnabend war dabei keine 20 Kilometer von der Rennstrecke entfernt sogar ein Mann erschossen worden. Die Austragung des Rennens hatte der Formel 1 weltweit viel Kritik eingebracht.