MELBOURNE - Technik-Trauma bedroht Titel-Traum: Formel-1-Pilot Sebastian Vettel hat nach der zweiten Pleite hintereinander im WM-Rennen vorerst den Anschluss verloren. Lässt ihn seine anfällige „Knacks-Kiste“ weiterhin im Stich, wird der Red-Bull-Pilot eher Pannen-Meister als Weltmeister.

Dementsprechend drastisch („So eine Sch. . .“ oder „Das geht mir auf die Eier“) drückte der sonst so sympathische Heppenheimer seinen Frust über den in Melbourne wegen eines Defektes erneut verpassten Formel-1-Sieg aus. Für den Großen Preis von Malaysia am Sonntag (10 Uhr/RTL) wünscht der 22-Jährige sich deshalb bescheiden: „Ich hoffe, ich sehe die Zielflagge.“

Eigentlich ist der Red-Bull eindeutig das schnellste Auto im Feld. Bekommt der Rennstall die technischen Probleme in den Griff, dürfte die Konkurrenz chancenlos sein. „Wir müssen bei der Zuverlässigkeit absolut top werden“, forderte Vettel.

In Bahrain brachte eine kaputte Zündkerze den souverän führenden Vettel um den Sieg. Beim Rennen in Melbourne, das 3,66 Millionen Fans am Fernseher verfolgten (Marktanteil 47,1 Prozent) löste sich nach ersten Analysen eine Radmutter am linken Vorderrad. „Wir wissen noch nicht, ob es ein Problem der Radmutter oder der Felge war. Vielleicht wurde das Rad beim Boxenstopp ein bisschen schräg aufgesetzt“, rätselte Teamchef Christian Horner.

Der für den Antrieb zuständige Renault-Chefingenieur Fabrice Lom, der in Bahrain den Kopf hinhalten musste, sagte zum „traurigen Ergebnis“ sarkastisch: „Das einzig Gute war, dass wir keine Motorenprobleme hatten.“ Statt mit dem Maximum von 50 Punkten tritt Vettel in Malaysia mit nur zwölf Zählern an.

Michael Schumacher hat nach Platz zehn in Australien unterdessen erste Zweifel an seiner Konkurrenzfähigkeit gekontert. „Ich bin zuversichtlich, dass da noch einiges kommen wird“, versicherte der Rekordweltmeister am Montag. Er „ziehe viele gute Aspekte aus dem Rennwochenende“, sagte der 41-Jährige und beteuerte, dass sein Mercedes „nicht zu weit weg“ von der Konkurrenz sei.

Die Presse verhöhnte Schumacher gar. „Schumi, eine Qual“, titelte die italienische Zeitung Tuttosport. La Gazetta dello Sport schrieb: „Schumacher wirkt wie der Zwillingsbruder von dem Michael, der alles gewann.“ Und die englische Times höhnte: „Schumacher war eine traurige Randnotiz des Rennens.“