MELBOURNE - Den letzten echten Sieg errang Schumacher vor 18 Monaten. Im Sommer will er über seine Zukunft entscheiden.

von Ralf Loweg

MELBOURNE - Hat Michael Schumacher den richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt verpasst? Darüber diskutiert derzeit die ganze Formel 1. Nach dem Mauer-Malheur in Melbourne, bei dem Schumacher ausgeschieden war, mehren sich die Stimmen von ehemaligen Weggefährten und Rennfahrer-Größen, die dem 37-Jährigen ernsthaft raten, seinen Helm zum Saisonende an den Nagel zu hängen.

„Ich hätte mir für ihn gewünscht, dass er 2004 nach seinem siebten WM-Titel aufgehört hätte“, meint der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart. Schumachers einstiger Intimfeind Damon Hill glaubt: „Lange wird er sich das nicht mehr antun. Er hasst es, zu verlieren.“ Der Brite Johnny Herbert, einst Schumachers Benetton-Teamkollege und nun Sportdirektor bei Midland, verstehe zwar, dass dem siebenmaligen Weltmeister das Fahren immer noch viel Spaß mache: „Aber wenn er schlau ist, hört er Ende des Jahres auf.“

Für Schumacher, der sich erst im Sommer entscheiden will, ob er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag bei Ferrari noch einmal verlängert, sei Melbourne eines der Rennen gewesen, an die er nicht gerne zurückdenken werde. Sein Selbstvertrauen sei durch den Unfall jedoch nicht erschüttert worden. „Ich suche nicht nach Ausreden, das war mein Fehler, doch jetzt geht es nach Imola“, sagte „Schumi“, der beim Ferrari-Heimspiel am 23. April vielleicht schon die letzte Chance auf ein Comeback im Titelrennen hat. Weltmeister Fernando Alonso ist Schumacher nach nur drei Rennen in der WM-Wertung schon um 17 Punkte enteilt.

Die Konkurrenz hat den Respekt vor dem einst Unbesiegbaren verloren. Seinen letzten echten Sieg (das Skandalrennen von Indianapolis 2005 nicht mitgerechnet) feierte Schumacher vor rund 18 Monaten in Suzuka. Der Rekordgewinner der Formel 1 (84 Grand-Prix-Siege) wird immer mehr gedemütigt. In Melbourne wurde Giancarlo Fisichella über Funk von seinem Renault-Team ermutigt: „Vor dir fährt Michael,

er ist einfach zu überholen.“ Derartige Ansagen waren vor einiger Zeit noch undenkbar.