MELBOURNE - „Superhirn“ Ross Brawn kämpfte mit den Tränen, Jenson Button lachte mit der Abendsonne von Melbourne um die Wette, und Formel-1-Urgestein Rubens Barrichello fühlte sich zehn Jahre jünger: Der „Ein-Euro-Rennstall“ hat die Königsklasse mit seinem Doppelsieg beim Saisonstart 2009 aufgemischt.

„Ross, Du bist eine Legende“, sagte Auftaktsieger Button (28) noch über Funk zu seinem Chef. Und der zweitplatzierte Barrichello (36) schwärmte nach seinem 269. Grand Prix: „Was für ein Auto!“ Ross Brawn war von seinen Gefühlen überwältigt: „Das ist etwas ganz Besonderes. Ich bin froh, dass wir hier durchgekommen sind. Sensationell, was heute passiert ist“, sagte der sonst eher zurückhaltende Brite geradezu euphorisch.

Es ist in der Tat schon jetzt das Formel-1-Märchen des Jahres. Noch vor ein paar Wochen wussten 700 Mitarbeiter nicht, wie es weitergehen soll. Nach dem Honda-Ausstieg war kein Käufer in Sicht. Brawn verfolgte diese Nachrichten aufmerksam, flog aber erstmal zum Fischen auf die Malediven. Als er zurückkam, kaufte der bisherige Technikchef Arbeitgeber Honda den Rennstall für ein englisches Pfund (1,08 Euro) ab. Die Japaner hatten im Dezember wegen der weltweiten Finanzkrise eine Vollbremsung gemacht.

Kurz vor dem Auftakt in Melbourne zog er dann einen ganz dicken Fisch an Land. Der Unternehmer und Milliardär Sir Richard Branson, der das Team vor ein paar Wochen angeblich selbst kaufen wollte, stieg mit seiner Firma Virgin als Sponsor ein.

„Was unsere Leute geleistet haben, ist unglaublich. Aber wir müssen weiter Fortschritte machen. Die anderen Teams werden auch nachlegen“, sagte Brawn und blieb auch in der Stunde des Triumphs bescheiden. Ein paar Gläschen Champagner zur Belohnung gab’s aber doch: „Es ist so schön, endlich wieder strahlende Gesichter bei meinen Mitarbeitern zu sehen.“

Michael Schumacher traut seinem alten Kumpel sogar den Titelgewinn zu: „Das ist nicht ausgeschlossen. Das ist ja eigentlich noch das alte Honda-Team, dessen Ressourcen man genutzt hat.“ Brawn bleibt aber vorsichtig. „Zunächst geht es mir um Siege.“

Als Brawn 1976 in der Formel 1 anfing, war er ein ganz kleines Licht. Er bastelte an den Flügeln beim March-Rennstall, schleppte Reifen bei Williams und leitete einen Windkanal. Ab 1992 arbeiten er und Schumacher bei Benetton zusammen – und stellten die Formel-1-Welt binnen weniger Jahre auf den Kopf.