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NWZonline.de Sport Motorsport

Legende mit gefälschtem Abitur

22.05.2019

Monte Carlo /Hamburg Am Tag, als Niki Lauda zur Legende wird, schaut er in die Hölle – 55 Sekunden lang. Am 1. August 1976 schießt Lauda mit seinem Ferrari über die Nürburgring-Nordschleife, er verliert die Kontrolle, kracht in eine Felswand und geht mit seinem Wagen in Flammen auf. Den Zuschauern bleibt die Luft weg. 800 Grad Hitze umschließen Lauda, das Auto beginnt zu schmelzen, die Dämpfe verätzen seine Lunge. 42 Tage später zwängt sich Lauda wieder in seinen Rennwagen, das Gesicht entstellt, der Kopf blutig – eine Legende ist geboren.

In der Nacht zu Dienstag ist Lauda nun verstorben. Im „Kreise seiner engsten Familie“ ist der Österreicher „in der Universitätsklinik in Zürich friedlich eingeschlafen“, teilte die Familie mit: „In den letzten zehn Monaten waren wir jede Minute an seiner Seite. Wir haben mit ihm gelacht, geweint, gehofft und gelitten, aber schlussendlich verließen Niki gestern seine Kräfte.“ Vergangenen August hatte sich Lauda einer Lungentransplantation unterziehen müssen.

Die Formel 1 trauert um einen ihrer ganz Großen und nahm mit emotionalen Worten Abschied. „Niki wird immer eine der größten Legenden unseres Sports bleiben. Er verkörperte Heldentum, Menschlichkeit und Aufrichtigkeit auf und abseits der Strecke“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff über Lauda, der 70 Jahre alt wurde: „Er hinterlässt eine tiefe Lücke in der Formel 1.“

Laudas Name ist untrennbar mit der Flammenhölle vom Nürburgring verbunden. „Seine Geschichte war ihm ins Gesicht geschrieben“, schrieb die italienische Zeitung „Corriere della Sera“. Lauda selbst, bekannt für seinen trockenen Humor, sprach im Rückblick auf seinen Schicksalstag oft von seinem „Barbecue“. Sein größter Sieg sei es gewesen, die Formel 1 überlebt zu haben, sagte Lauda stets. Nach seiner Erkrankung im vergangenen Sommer hoffte er, schnell wieder der Alte zu sein. Tatsächlich aber führte der Weg des Stehaufmännchens nicht mehr zurück an die Rennstrecken, an denen er als Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams bis Mitte 2018 zum Inventar gehört hatte.

Lauda musste sich seine Triumphe im Auto hart erarbeiten. Er hatte nicht das Talent eines Ayrton Senna oder das Charisma seines großen Rivalen James Hunt. Aber Aufgeben galt für Lauda nicht. Er tüftelte an seinen Wagen, trieb seine Mechaniker in den Wahnsinn und holte so mehr heraus als alle anderen.

Als ob nichts gewesen wäre, hätte er nach der Flammenhölle fast noch seinen WM-Titel aus der Vorsaison erfolgreich verteidigt. Beim letzten Saisonrennen in Fuji aber steuerte Lauda seinen Ferrari im monsunartigen Regen freiwillig an die Box und überließ seinem britischen Kontrahenten Hunt den Titel. „Ich wollte mich nicht ein zweites Mal umbringen“, sagte er später. Eine unglaubliche Geschichte, die 2013 sogar Hollywood in dem Streifen „Rush“ verfilmt hat. 1977 wurde Lauda erneut Champion. 1984, nach einer kurzen Auszeit, zum dritten Mal. Ein Jahr später beendete er seine Karriere.

Andreas Nikolaus Lauda liebte schon als Kind Autos über alles. Mit zehn sitzt er erstmals am Steuer, mit 15 hat er seinen ersten Wagen, mit 19 fährt er sein erstes Rennen. Die Schule interessiert den Sohn eines Großindustriellen nicht so sehr, sein Abiturzeugnis fälschte er zusammen mit einem Freund: „Die Mutter hat mich geküsst, der Vater war glücklich.“

Aus Lauda wurde trotzdem ein erfolgreicher Macher, nicht zuletzt als Gründer von Fluggesellschaften. Beinahe nebenbei erklärte er von 1996 bis 2017 den RTL-Zuschauern die Formel-1-Welt. Immer unverblümt ehrlich, und dabei immer herzlich.

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