MüNCHEN - Die Schock-Nachricht erwischte Nick Heidfeld unerwartet und traf ihn bis ins Mark. Arbeitgeber BMW zieht sich aus der Formel 1 zurück, der Routinier steht damit vor einer unsicheren Zukunft. „Die Entscheidung tut mir speziell für das Team und alle Mitarbeiter, mit denen ich über Jahre hinweg das Projekt aufbauen durfte, sehr leid“, schrieb der Mönchengladbacher auf seiner Internet-Seite.
Noch in Budapest hatte der 32-Jährige erklärt, er habe Kontakt zu anderen Teams, wolle sich zu Details derzeit aber nicht äußern. Jetzt besteht Handlungsbedarf.
Drei Optionen könnten sich für „Quick Nick“, der die Erfahrung von 161 Grand-Prix-Starts, aber noch keinen Sieg vorweisen kann, auftun. Die von Heidfeld wohl favorisierte ist bei Williams, falls Nico Rosberg zu Mercedes wechselt; bei Brawn, falls sich der WM-Spitzenreiter vom Brasilianer Rubens Barrichello trennt; oder bei Renault, wo Fernando Alonso vor dem Wechsel zu Ferrari und Nelson Piquet junior vor dem Aus steht.
So oder so: Für BMW fällt am 1. November der Formel-1-Vorhang. In Abu Dhabi, nach dann 264 Rennen als Motorenlieferant und Hersteller, ist Schluss. „Natürlich ist uns diese Entscheidung schwer gefallen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer. „Wir haben entschieden, wir richten unser Motorsport-Engagement neu aus.“ Zwei bis drei Kilo Benzin pro gefahrener Runde. Das entspricht einem Verbrauch von 40 bis 60 Litern auf 100 Kilometern. Der Benzinkonsum von Formel-1-Wagen verträgt sich nicht mehr mit der jüngsten Spritspar-Philosophie. Das Image der Marke BMW soll grüner werden, nachhaltiger, sauberer.
Doch der Ausstieg zeigt auch, wie dringend der Münchner Autokonzern in Zeiten drastisch sinkender Absatzzahlen mit seinen Ressourcen haushalten muss. Wie der Rest der Branche wurde auch BMW mit voller Wucht von der internationalen Absatzkrise erwischt.
Im Herbst rauschten die Verkaufszahlen dramatisch in den Keller. In der Folge stürzte bei BMW auch der Jahresgewinn um 90 Prozent ab. Im ersten Quartal 2009 fiel sogar ein Verlust von 152 Millionen Euro an.
