NüRBURG - Auf der Großbaustelle Nürburgring präsentiert sich die Formel 1 mehr denn je wie ein Sanierungsfall. Das endlose politische Gezänk zwischen Weltverband und den Spitzenteams, das PR-Desaster mit dem untragbaren Hitler-Lob von Rechteverwalter Bernie Ecclestone und die wachsende Zukunftsangst der PS-Branche in Zeiten der Krise drückt Fahrern und Funktionären vor dem Großen Preis von Deutschland an diesem Sonntag (14 Uhr/RTL) schwer aufs Gemüt.
In der Boxengasse herrscht die Sehnsucht nach dem puren Sport. „Das geht schon viel zu lange so. Das hat alles nichts mehr mit meinem Job zu tun“, klagte WM-Spitzenreiter Jenson Button, dessen packendes Titelduell mit Sebastian Vettel durch die Turbulenzen vor dem Eifelrennen einmal mehr überschattet wird.
Das bereits eröffnete, aber noch ziemlich unfertige Riesenprojekt „Nürburgring 2009“ bietet an diesem Wochenende die perfekte Kulisse für das Formel-1-Theater. Streit ums Geld und politische Querelen waren zuletzt rund um das mehr als 250 Millionen Euro teure Freizeit- und Geschäftszentrum ebenso an der Tagesordnung wie in der Königsklasse. Der Ex-Weltmeister Fernando Alonso mag das alles nicht mehr hören. „Wir haben genug Zeit damit verbracht, darüber zu reden. Hoffentlich können wir stattdessen über den Sport sprechen“, meinte der Renault-Pilot.
„Dieser Sport steckt im Schlamassel“, urteilte die Londoner Zeitung „The Times“. Hiobsbotschaften liefert die Formel 1 derzeit zuhauf. Erst in dieser Woche sagte Toyota den Japan-Grand-Prix 2010 auf seiner Hausstrecke Fuji aus finanziellen Gründen ab. Mehr als unsicher bleibt weiterhin die Zukunft des Großen Preises von Deutschland. 2010 sollte eigentlich wieder Hockenheim Gastgeber sein, doch die Gemeinde will das finanzielle Risiko nicht mehr tragen. Nun soll der frühere Mercedes-Chef Jürgen Hubbert Ecclestone überzeugen, das Rennen auf eigene Rechnung auszurichten.
Derweil setzt sich der Zweikampf zwischen Sebastian Vettel und WM-Spitzenreiter Jenson Button auch auf dem Nürburgring fort. Im freien Training war der Red-Bull-Pilot aus Heppenheim 38 Tausendstelsekunden schneller als der Brite im Brawn. Vor den beiden platzierte sich nur Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) im McLaren-Mercedes, der anderthalb Zehntelsekunden schneller war als Vettel.
