PARIS - Jean Todt gegen Ari Vatanen: Nach einem wochenlangen, teilweise mit harten Bandagen geführten Wahlkampf entscheidet sich an diesem Freitag, wer künftig an der Spitze des Welt-Automobilverbandes FIA steht. Ex-Ferrari-Teamchef Todt (63) konkurriert mit dem EU-Parlamentarier und ehemaligen finnischen Rallye-Weltmeister Vatanen (57) um die Nachfolge des nach 18 Jahren Präsidentschaft nicht mehr antretenden, zuletzt stark umstrittenen Max Mosley.
„Man könnte es eine Mini-Revolution nennen – zurück zu den Wurzeln“, sagte Vatanen. „Meine Rolle ist es, eine Alternative zu dem anzubieten, wie die Dinge jetzt laufen.“ Sein klares Ziel: Raus aus den Negativ-Schlagzeilen, welche die zahlreichen Skandale und Endlos-Diskussionen um Budgetobergrenzen mit Drohgebärden von beiden Seiten in der Formel 1 verursacht haben. Das Motto: Die Macht den Mitgliedern. „Die FIA muss den Clubs ein Diener sein, nicht umgekehrt“, sagte Vatanen.
Bei einer Wahl Todts fürchten manche, dass mehr oder weniger alles so weiterlaufen würde wie bisher. Doch der Franzose stellte fest: „Die FIA muss sich erneuern und durch Innovation, Vortrefflichkeit und Teamwork können wir den Bedürfnissen unserer Mitglieder und den Herausforderungen der kommenden Jahre viel besser Rechnung tragen.“
In ihren Befürchtungen bestärkt werden die Kritiker jedoch, weil Mosley Todt in aller Deutlichkeit dessen Konkurrenten vorzieht. Vatanen unterstellte gar, dass die FIA die Kampagne des Gegenkandidaten mitfinanziere.
Beide, Todt und Vatanen, haben jeweils einen Deutschen in petto. „Zum ersten Mal seit vielen Jahren gibt es die Gelegenheit für einen Neustart“, sagte ADAC-Motorsportpräsident Hermann Tomczyk. Er soll FIA-Vizepräsident Motorsport unter Vatanen werden. Seit 2005 ist der Rosenheimer schon Vize im Mosley-Kabinett, gehörte aber mit dem ADAC zu den Kritikern des 69-jährigen Briten nach der Sexvideo-Affäre im vergangenen Jahr.
Todt hat den AvD-Präsidenten Rudolf Graf von der Schulenburg als Senatsmitglied auf der Liste. Als Fürsprecher ließ er aber vor allem weltweit bekannte Sportler, Funktionäre und sogar Filmschaffende wie den berühmten französischen Regisseur Luc Besson zu Wort kommen.
Neben Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone engagierte sich auch Rekordchampion Michael Schumacher als Wahlkämpfer. „Ich kann mir niemanden vorstellen, der fähiger und engagierter wäre, unseren Sport zu verbessern, als Jean Todt“, ließ Schumacher verlauten.
