Melbourne - 20 Rennen in 245 Tagen, zehn Teams und kein deutscher Grand Prix – an diesem Sonntag (7 Uhr/RTL) beginnt die neue Formel-1-Saison in Melbourne. Fragen und Antworten zum Start:

Was ist neu in dieser Saison

?

Die größte Regelreform seit vielen Jahren soll die Formel 1 spektakulärer und für die Piloten anspruchsvoller machen. Die Autos sind breiter, flacher und pro Runde zwischen drei und fünf Sekunden schneller. Auch durch die deutlich breiteren Reifen wirken die Boliden „maskuliner“, wie der Deutsche Nico Hülkenberg sagt. Vor allem in den Kurven sind höhere Geschwindigkeiten möglich, das erfordert von den Fahrern Mut und Präzision. „Das trennt die Buben von den Männern“, meint Lewis Hamilton.

Wie wirkt sich das auf das Kräfteverhältnis aus

?

Oft wirbelt ein neues technisches Regelwerk auch die Hackordnung durcheinander. Diesmal aber scheint das Weltmeister-Team Mercedes weiter der Gradmesser zu sein. „Es ist naiv, zu erwarten, dass Mercedes dadurch destabilisiert wird. Wenn überhaupt, verschaffen die Änderungen ihnen einen Vorteil“, sagt der neue Formel-1-Sportchef Ross Brawn während der Testfahrten.

Wer kann Mercedes Konkurrenz machen

?

Die stärksten Herausforderer heißen wieder Ferrari und Red Bull. Zumindest bei den Tests hinterließ Ferrari einen guten Eindruck, auch wenn Chefpilot Sebastian Vettel nach der sieglosen Vorsaison vor verfrühter Euphorie warnt. Red Bull setzt seine Hoffnungen in die Ideen von Chefdesigner Adrian Newey und den Gasfuß von Max Verstappen, der als die Zukunft der Rennserie gilt.

Welche Rolle können die Deutschen spielen

?

Vettel wartet seit September 2015 auf seinen 43. Grand-Prix-Sieg. Den letzten seiner vier Titel gewann er 2013. Sein Vertrag bei Ferrari läuft am Saisonende aus, im dritten Jahr will er endlich auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen um den Titel fahren. Nico Hülkenberg ist als Aufbauhelfer ins Renault-Werksteam gewechselt. Der Rheinländer soll die Franzosen aus dem Mittelmaß führen. Podiumsplätze wären in diesem Jahr schon ein großer Erfolg. Für den zu Sauber gewechselten Pascal Wehrlein dürften wie im Vorjahr bei Manor schon Fahrten in die Punkteränge eine schwere Aufgabe werden.

Warum gibt es kein Rennen in Deutschland

?

Wie schon 2015 kam es zu keiner finanziellen Einigung zwischen den deutschen Streckenbetreibern und den Rechte-Inhabern der Formel 1. Der Nürburgring kann sich nach seiner Insolvenz die Antrittsgebühren nicht mehr leisten. Hockenheim, im Vorjahr Gastgeber des deutschen Grand Prix, will das Risiko von Millionenverlusten nicht jedes Jahr eingehen.

Welche Folgen hat der Wechsel des Besitzers

?

Die sichtbarste Konsequenz wird zunächst das Fehlen von Bernie Ecclestone sein. Der 86-Jährige hatte zu Jahresbeginn seinen Posten als Geschäftsführer an Chase Carey abgeben müssen. Ansonsten aber wird es für den vom US-Mediengiganten Liberty, der nun die Kontrolle über die Formel 1 hat, angestrebten Wandel Zeit brauchen. Das Regelwerk für diese Saison ist festgeschrieben. Der Grundlagenvertrag mit den Teams gilt sogar bis 2020 und legt die Verteilung der Gelder fest.

Welche Probleme sollen gelöst werden

?

Sportlich litt die Rennserie zuletzt unter der Dominanz von Mercedes. Von 59 Rennen in den vergangenen drei Jahren gewannen die Silberpfeile 51. Mehr Spannung, mehr Chancengleichheit – das braucht die Formel 1 dringend, um sich im globalen Wettbewerb um Fans und Sponsoren zu behaupten. Dass sich in diesem Jahr nur noch zehn Teams den Grand-Prix-Sport leisten können, ist kein gutes Zeichen.