Sakhir - Auf das Debakel von Bahrain folgte für Sebastian Vettel eine unruhige Nacht – er wusste wohl, was ihn erwartet. Denn schon am Montagmorgen stellte sich ganz Italien die Frage, wofür Ferrari diesen Deutschen eigentlich noch braucht. Vettel „versinkt“, Vettel „enttäuscht“, und nur der Shootingstar Charles Leclerc kann die Scuderia noch strahlen lassen. Nach Vettels Fehler in der Wüste und dem enttäuschenden fünften Rang hat das Ferrari-Land sein Urteil gefällt.
Maranello schaue einer Zukunft entgegen, „in der es keinen Platz mehr für Vettel gibt“, schrieb „Corriere dello Sport“. Und auch für „La Repubblica“ gibt es schon nach dem zweiten Saisonlauf nur noch einen Hoffnungsträger in Rot: „Leclerc ist der wahre Rivale von Lewis Hamilton. Ferrari hat in Bahrain seinen Goldjungen gefunden.“
Vettel selbst hatte den Bahrain International Circuit sichtbar angeschlagen verlassen. Wieder und wieder schossen ihm die Szenen des Großen Preises von Bahrain durch den Kopf. Der selbstverschuldete Dreher im Zweikampf mit dem siegreichen WM-Rivalen Lewis Hamilton, die Unterlegenheit gegen den jungen Teamkollegen Leclerc – all das nagte am viermaligen Weltmeister. „Ich bin nicht glücklich“, sagte der 31-jährige Ferrari-Star. Nach Rang vier beim Saisonstart in Australien ist der Fehlstart in sein fünftes Jahr bei Ferrari perfekt. „Corriere della Sera“ schrieb gar von einer „Demütigung“, „La Stampa“ legte ihm populistisch nahe, einen Mentalcoach anzuheuern. Und sich den neuen Schnurrbart abrasieren zu lassen.
In ihrer Schärfe variierte die Kritik zwar, der Tenor war jedoch stets identisch: Vettel ist Vergangenheit, die Zukunft gehört Leclerc. Als Dritter war der 21-jährige Monegasse zum tragischen Helden des Abends avanciert, nur ein lahmender Antrieb verhinderte seinen Sieg. „Er ist der moralische Gewinner“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der in Leclerc einen künftigen Weltmeister sieht.
„Es war ziemlich offensichtlich, dass ich nicht das Tempo von Charles mitgehen konnte“, gestand auch Vettel. Die Luft im WM-Kampf ist damit ziemlich früh schon ziemlich dünn für ihn. 22 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Valtteri Bottas hat er bereits, 21 Zähler trennen ihn von Titelverteidiger Hamilton.
