Sakhir/Köln - Die mit Spannung erwartete Reise in die Vergangenheit begann um 9.10 Uhr, als die Mechaniker den Sichtschutz vor der Ferrari-Box zur Seite zogen. Beinahe im Zeitlupentempo steuerte Mick Schumacher den SF90 auf die Strecke und gab den zahlreichen Fotografen die Möglichkeit, diesen denkwürdigen Moment zu verewigen. Vater Michael hatte vor zwölf Jahren und vier Monaten sein letztes Rennen für die Scuderia absolviert – nun schloss sich ein Kreis.
Die ersten Testkilometer des Schumacher-Sprosses in einem Formel-1-Boliden in Bahrain beeindruckten auch die Konkurrenz. „Es ist etwas Besonderes, den Namen Schumacher wieder auf einem Formel-1-Auto zu sehen“, schrieb das Weltmeisterteam Mercedes bei Twitter. Reifenhersteller Pirelli jubelte: „Es ist, als würden wir die Zeit zurückdrehen.“
Als Nachwuchsfahrer der Ferrari Driver Academy bekam Mick Schumacher drei Tage nach seinem Formel-2-Debüt die Chance, erste Erfahrungen in der Königsklasse des Motorsports zu sammeln. Am Vormittag spulte er sein Programm konzentriert ab. Zunächst reichten seine Zeiten nicht an die der F1-Stammpiloten heran. Doch nach der Pause setzte Schumacher die Bestzeit und verbesserte sie noch auf 1:29,976 Minuten. Erst kurz vor Schluss zog der Niederländer Max Verstappen vorbei (1:29,379) und lag vor dem am Ende zweitplatzierten Schumacher.
Ross Brawn, langjähriges „Superhirn“ bei Ferrari und kongenialer Begleiter des Rekordweltmeisters Schumacher, hatte bereits vor überzogenen Erwartungen gewarnt. „Ich habe Mick oft gesehen, und er erinnert mich stark an Michael“, sagte er. Ihn in der Formel 1 zu sehen „wäre wundervoll, aber es lastet so viel Druck auf dem Jungen“.
Der 20-Jährige kennt sich jedoch längst mit den Hype aus, den sein Name mit sich bringt. Er ist Teil seiner Entwicklung, ob als junger Kartfahrer oder in der Formel-3-EM, die Schumacher im vergangenen Jahr gewann. Sein Debüt in der Formel 2 für das italienische Prema-Team in Bahrain verlief mit den Plätzen acht und sechs solide.
„Ich hatte die Zeit und die Chance, da hineinzuwachsen“, sagte Schumacher: „Viele Leute haben mir auf diesem Weg geholfen.“ Allen voran Mutter Corinna, die die Testfahrten am Dienstag vor Ort beobachtete. Und natürlich Vater Michael (50), der seit seinem Skiunfall im Jahr 2013 nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. „Er hat in der Formel 1 mehr erreicht als jeder andere. Es ist etwas, zu dem ich aufschaue. Ich bin glücklich, dass er mein Vater ist.“
