Melbourne - Die kurze Schonfrist ist vorbei für den neuen Mercedes-Motorsportchef. Sieben Wochen nach seinem Dienstantritt beginnt für Torger Christian, genannt „Toto“, Wolff beim schwäbischen Formel-1-Rennstall die Zeit der Bewährung. „Der Erfolgsdruck ist groß, sonst würde es auch keinen Spaß machen“, sagte der Nachfolger von Norbert Haug vor dem Auftaktrennen in Australien an diesem Sonntag (7 Uhr/RTL).

Nach drei ernüchternden Jahren des Werksteams sollen Wolff, Landsmann Niki Lauda als Aufsichtsratsboss und Michael Schumachers Erbe Lewis Hamilton eine Erfolgs-Ära begründen. Und zwar möglichst ohne große Wartezeit.

„Keiner von uns gibt sich mit einem Lehrjahr zufrieden“, versicherte Wolff: „Ich werde schon an den Ergebnissen von 2013 gemessen, so ist die Realität.“ Der 41-Jährige weiß um die hohen Erwartungen und um die Kritik der internen Gegner am teuren Formel-1-Projekt. „Mercedes ist mit dem Anspruch in die Formel 1 gekommen, um Meisterschaften mitzufahren und Meisterschaften zu gewinnen. Für nichts anderes wurden wir geholt. Das muss das Ziel sein“, stellte Wolff fest.

Bislang aber ging es für die Silberpfeile zumeist eher rückwärts, allen Steuerkünsten des Altmeisters Schumacher und seines Kollegen Nico Rosberg zum Trotz. Auf die ersehnte Siegpremiere von Rosberg in China folgte in der Vorsaison sogar der Absturz auf Rang fünf der Konstrukteurswertung. Danach forcierte Mercedes den Umbau. Haug nahm nach 22 Jahren im Amt Abschied, sogar Teamchef Ross Brawn ist längst nicht mehr unantastbar.

„Ich sehe, dass wir eine positive Entwicklung genommen haben“, urteilte Wolff nach dem Abschluss der Saisonvorbereitung. Bei den Testfahrten erstaunten Rosberg und Hamilton mit Top-Zeiten. Wolff will sich für ein endgültiges Urteil zu Stärken und Schwächen des Teams aber noch Zeit bis nach den ersten Rennen nehmen.

Dann aber will er handeln. In der Branche wird spekuliert, dass der bisherige McLaren-Cheftechniker Paddy Lowe nach Saisonende Brawn als Teamchef bei Mercedes ablöst. Eine Belastung für das interne Klima sei diese Diskussion aber nicht. Wolff: „Ein Formel-1-Team wird daran gemessen, wie schnell es auf der Strecke ist. Alles andere sind Nebensächlichkeiten.“