SHANGHAI - Seine erste Niederlage als Formel-1-Weltmeister nahm Sebastian Vettel im Stile eines Champions hin: Als seine Siegesserie beim dritten Rennen der Saison in Shanghai gerissen war, gratulierte er seinem Konkurrenten Lewis Hamilton zum Erfolg und freute sich selbst auch über seinen zweiten Platz.
Drei Rennen und die Plätze eins, eins und zwei da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Lewis und McLaren waren einfach zu stark, bei der Strategie, die wir gewählt hatten, sagte der 23-Jährige nach dem Großen Preis von China, bei dem erstmals in der Saison nicht Vettel siegte.
Das ist fantastisch, mein Auto war gut. Das war eins meiner besten Rennen, sagte McLaren-Pilot Hamilton. Der Brite hatte wie die meisten Fahrer auf drei statt wie Vettel nur zwei Reifenwechsel gesetzt. Daher war der Titelverteidiger auf den älteren Reifen fünf Runden vor Schluss chancenlos gegen den Briten, der seinen 15. GP-Sieg feierte.
Vettel überrascht
Ich habe ihn immer näher kommen sehen. Zweimal konnte ich ihn hinter mir halten, aber dann hat er mich ehrlich gesagt auch ein bisschen überrascht, sagte Vettel, der in der Gesamtwertung mit jetzt 68 Punkten vor Hamilton (47) in Führung liegt, über das entscheidende Überholmanöver in Runde 52: Aber ich sehe diesen zweiten Platz nicht als Enttäuschung, denn es war ein schwieriges Rennen und wir haben viel gelernt. Red-Bull-Teamkollege Mark Webber wurde nach seiner sensationellen Aufholjagd von Startplatz 18 noch Dritter.
Während des Rennens hatte Vettel, der nach einem schwachen Start vom ersten auf den dritten Platz zurückgefallen war, neben der letztlich falschen Strategie auch mit einigen technischen Problemen zu kämpfen. Sein KERS-System funktionierte in weiten Teilen des Rennens nicht wie gewünscht, zudem war der Boxenfunk ausgefallen. Ich habe viele Fragen gestellt, aber keine Antworten bekommen, sagte Vettel.
Eine gute Vorstellung zeigten auch die Silberpfeile. Nico Rosberg führte zeitweise sogar und holte am Ende als Fünfter das bislang beste Saisonresultat für Mercedes. Dennoch war er nicht zufrieden, weil das Team sich bei der Benzinmenge verkalkuliert hatte und er zwischenzeitlich vom Gas gehen musste. Ich bin enttäuscht, da wäre mehr drin gewesen, meinte Rosberg.
Zuviel gespart
Mercedes-Sportchef Norbert Haug entschuldigte sich. Wir haben es es mit dem Sparen übertrieben, sagte er: Das hat uns ein Podium gekostet. Rosbergs Teamkollege Michael Schumacher fuhr ein beherztes Rennen. Der Rekordweltmeister schob sich von Startplatz 14 bis auf Rang acht nach vorne. Aufgrund unserer Ausgangslage ist das ein gutes Ergebnis, sagte der 42-Jährige. Nick Heidfeld verpasste als Zwölfter die Punkteränge. Adrian Sutil belegte Rang 15, Timo Glock musste sich mit Platz 21 begnügen.
Durch den entgangenen Sieg verpasste es Vettel, als erster Fahrer seit Schumacher im Jahr 2004, die ersten drei Rennen eines Jahres in Folge zu gewinnen.
