Shanghai - Zum Jubiläum fährt die Formel 1 groß auf. Die 26-Millionen-Metropole Shanghai mit ihrer glitzernden Skyline bildet den Rahmen für den 1000. Grand Prix an diesem Sonntag (8.10 Uhr/RTL). Kritiker mögen einwerfen, dass die Wolkenkratzer mit dem 468 Meter hohen Oriental Pearl Tower im Zentrum allzu oft im dichten Smog der chinesischen Mega-City verschwinden. Ein Bild, das durchaus stimmig ist: Auch in der Motorsport-Königsklasse ist nicht alles eitel Sonnenschein.
Natürlich hat die Formel 1 eine reiche Historie. Fahrer wie Michael Schumacher, Ayrton Senna oder Lewis Hamilton haben dem Rennzirkus in 999 Rennen seit 1950 weltweit Glanz verliehen. Im Rückblick auf die Triumphe und Tragödien der Vergangenheit drängt sich die Frage auf: Wie viel Zukunft steckt noch in der Formel 1?
„Ich habe seit Jahren nicht so viel frischen Wind gespürt“, sagte Jean Todt zuletzt. Der 73-jährige Franzose, als Ferrari-Teamchef maßgeblich an fünf der sieben WM-Titel Schumachers beteiligt, zieht seit 2009 als Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA im Hintergrund die Fäden. Seine Aufgabe: Den Sport gesund und damit lange am Leben erhalten.
Budget-Obergrenzen, neue Fahrzeug- und Motorenreglements und eine gerechtere Geldverteilung, all das werde kommen, versicherte Todt beim Saisonstart. Seinen Optimismus teilt nicht jeder. Die Diskussionen um das neue Grundlagenabkommen, das ab der Saison 2021 für größere Chancengleichheit und mehr Überholmanöver sorgen soll, ist ein leidiges Dauerthema.
Man habe „gute Fortschritte gemacht“, sagte Formel-1-Boss Chase Carey Ende März, aber es gebe immer noch „zehn verschiedene Meinungen“. Zehn Meinungen aus zehn Teams.
Die Schwierigkeiten bei der Kompromissfindung sind fast schon Teil der Formel-1-DNA geworden. Sebastian Vettel, bekannt als Motorsportpurist, mahnte im Interview mit der englischen Zeitung „The Times“, schnell zu ergründen, „was wir wollen“. Der viermalige Weltmeister hat die Tendenz ausgemacht, dass die Formel 1 „mehr eine Show und ein Geschäft“ geworden sei. Ein Trend, der dem bekennenden Fan lauter Rennmotoren und ursprünglicher Rennaction ohne künstliche Überholhilfen nicht gefällt.
Eine Formel 1 im Sinne Vettels werden die Fans wohl nicht mehr erleben. Die Einführung günstiger und einfacher Motoren zur Saison 2021 ist von den großen Herstellern abgeschmettert worden, effiziente Turbo-Hybrid-Antriebe sind die Gegenwart und die zumindest mittelfristige Zukunft. Langfristig stellt sich dann die Frage, ob das ausreicht angesichts der neuen aufblühenden Klimaschutzbewegung.
