SHANGHAI - Sternstunde für die Silberpfeile von Mercedes und für Nico Rosberg: Als erster Werksfahrer seit Juan Manuel Fangio 1955 hatte Rosberg am Sonntag in China ein Formel-1-Rennen gewonnen. Nach seinem Premierentriumph in der Königsklasse war der 26-Jährige völlig losgelöst. „Das ist sensationell“, sagte Rosberg.

Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wusste in der Stunde des so lange ersehnten Erfolgs kaum, wohin mit seinen Gefühlen. Übermütig herzte er den Siegerpokal. „Den gebe ich nicht mehr her“, rief der Schwabe. „Natürlich bin ich stolz. Jetzt haben wir gezeigt, dass wir was können“, sagte Haug nach dem ersten Mercedes-Sieg seit der Formel-1-Rückkehr des Werksteams 2010 und 20 671 Tage nach Fangios Triumph in Monza. Auch das frühe Aus von Michael Schumacher wegen eines falsch aufgezogenen Vorderreifens trübte das Glück nicht.

Im 111. Rennen seiner Karriere gelang dem 26-jährigen Rosberg der erste Sieg. Das beeindruckte auch die Konkurrenz: „Ich denke, wir werden uns mit Mercedes messen müssen. Sie sind konkurrenzfähig“, gratulierte der Brite Jenson Button, der vor seinem McLaren-Kollegen Lewis Hamilton Zweiter wurde.

Weltmeister Sebastian Vettel rettete im Red Bull nach starker Aufholjagd von Startplatz elf noch Rang fünf hinter Teamkollege Mark Webber. „Wir sind einfach nicht schnell genug. Trotzdem können wir zufrieden sein“, sagte der Hesse, der nach der ersten Runde nur auf Platz 15 gelegen hatte. Kurz vor Rennende hatte er sogar als Zweiter auf Podiumskurs gelegen, musste wegen abgefahrener Reifen aber Button, Hamilton und Webber passieren lassen.

Die WM-Gesamtwertung führt nach dem dritten Saisonrennen nun Hamilton mit 45 Punkten vor Button (43) an. Der bisherige Spitzenreiter Fernando Alonso wurde im Ferrari nur Neunter und rutschte mit 37 Punkten auf Platz drei ab. Vettel (28) verbesserte sich hinter Webber (36) auf Rang fünf. Rosberg rückte mit 25 Zählern auf Platz sechs vor.

Bereits am kommenden Sonntag steht das umstrittene Grand-Prix-Rennen in der Wüste von Bahrain an. Und Mercedes will auch hier ganz vorne mitfahren.

„Wir haben so eine wundervolle Geschichte, und wir wollen dieser Tradition auch gerecht werden“, sagte Teamchef Ross Brawn. Der Brite versprach, es werde nicht bei einem One-Hit-Wonder bleiben. „Es kommen auch noch ein paar gute Verbesserungen in den nächsten Rennen. Da bin ich sehr optimistisch“, erklärte Brawn.

Ein noch besseres Mercedes-Ergebnis verhinderte ein Boxenpatzer der Schumacher-Crew. Der auf Platz zwei hinter Rosberg gestartete Rekordchampion fuhr beim ersten Reifenwechsel zu früh los, obwohl das rechte Vorderrad noch nicht festgezogen war.

Kurz darauf musste Schumacher seinen Dienstwagen abstellen. „Schade. Das tut mir leid für die Jungs. Aber das gehört dazu“, sagte Schumacher.