SHANGHAI - Nach dem Ende der Siegesserie spürt der nun doch nicht unschlagbare Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel wieder die Konkurrenz im Nacken. Selbst Teamrivale Mark Webber, 18. in der Startaufstellung und Dritter im Rennen in Shanghai, lachte sich ins Fäustchen. Es war gut, dass ihn jemand gestoppt hat, sagte der Australier und sprach nach dem Großen Preis von China sogar von einem guten Tag für den Rennsport. Natürlich ist Sebastian mit mir im gleichen Team, aber er hatte einen phänomenalen Lauf. Es ist schade, dass McLaren gewonnen hat, aber wir alle durften Sebastian nicht zu weit davonziehen lassen.
Die Gala-Vorstellung des Siegers Lewis Hamilton und taktische Fehler nahmen Vettel nach vier Siegen in Serie den Nimbus der Unschlagbarkeit. Und vor dem Europa-Auftakt in der Türkei stichelt nun auch noch Webber gegen Vettel. Dieser war seit seinem Sieg in Monaco im Mai 2010 aber aus eigener Kraft immer schneller gewesen als der Teamkollege.
Der WM-Titel hat dem 23-Jährigen eine gehörige Portion mehr Gelassenheit gegeben. Webbers Aussagen und ein schwieriges Rennen bringen Vettel deshalb nicht gleich aus der Ruhe. Stattdessen freute er sich, trotz eines schwachen Starts und einer falschen Strategie auf Platz zwei gelandet zu sein.
Wir haben vielleicht keinen perfekten Job gemacht. Das zeigt einfach, dass es, wenn man seine 100 Prozent nicht bringt, immer jemand anderen gibt, der einem dann auf der Nase rumtanzt und den Sieg wegschnappt, sagte Vettel, nach dessen Meinung sein Team aus diesem Rennen aber viel lernen wird. Wir wissen, dass wir in vielerlei Hinsicht besser werden müssen, und wissen auch, wie, erklärte er ganz entspannt: Es ist nicht so, dass wir vor einer Wand stehen und nicht wissen, wie wir rüberkommen. Die Leiter steht parat.
Beim Mercedes-Team von Michael Schumacher war man dagegen sehr enttäuscht. Wir müssen analysieren, warum wir im Rennen einen so viel höheren Spritverbrauch als im Training hatten. Das war sehr enttäuschend für Nico und das ganze Team, sagte Teamchef Ross Brawn.
Rosberg hatte in China anscheinend die kühnsten Benzinverbrauch-Kalkulationen seines Teams übertroffen und war viel schneller unterwegs als gedacht. Phasenweise war Rosberg zu seiner eigenen Überraschung sogar schneller als Vettel im Red Bull.
