Dass es in der Formel 1 zuweilen ein bisschen, sagen wir mal, gaga zugeht, ist eine weithin akzeptierte Tatsache. Aber es gibt immer noch Tage, an dem die Kapriolen noch spektakulärer anmuten als gewohnt: Kaum hatte sich die Aufregung um den BMW-Rückzug halbwegs gelegt, sorgte Schumachers Comeback-Ankündigung in der Fan-Gemeinde für schwere Erschütterungen auf der nach oben offenen Hysterie-Skala.

Im Oktober 2006 sagte Michael Schumacher, „der Akku ist leer“, und offenbar hatte er damals ernsthafte Zweifel, ob dieser Akku wiederaufladbar sei. Das war der Hauptgrund für den Rücktritt auf der Höhe seiner formidablen Fahrkunst.

Die enorme Strahlkraft des Ferrari-Stars verleiht der Formel 1 nun für ein paar Momente einen Glanz, der ihr zunehmend abging.

Prompt dämpft Schumachers Comeback auch den durch BMW ausgelösten Schock. In guten Zeiten interpretierten die Mitarbeiter BMW einst als Abkürzung für „Bayrisches Motoren Wunder“. Jetzt ist aus der Freude am schnellen Fahren ein Zwang zum Sparen geworden – immerhin flossen per anno 250 Mio. Euro ins bodenlose Formel-1-Fass. Kaum vertretbar angesichts der Wirtschaftskrise und der offenkundigen Notwendigkeit, künftig auf schadstoff- und verbrauchsarme Autos zu setzen.

Die Kräfteverhältnisse in der Formel 1 haben sich mittlerweile deutlich verschoben. Um den WM-Titel balgen sich Außenseiter der Vollgas-Branche: Etwa das von Ross Brawn übernommene Honda-Team (nun mit Mercedes-Motoren unterwegs). Oder der dem österreichischen Brausehersteller Dietrich Mateschitz gehörende Red-Bull-Rennstall, der anfangs nur als unkonventionelles Bespaßungs-Bataillon des Fahrerlagers wahrgenommen wurde.

Schumacher muss sich für seine unverhoffte Gefälligkeit gegenüber Ferrari beileibe nicht rechtfertigen: Weder kann er viel gewinnen noch setzt er bei einem befristeten Einsatz seinen Ruf aufs Spiel. Mag indes sein, dass noch mehr dahinter steckt. Wer will schon sagen, wie ihm nach drei Jahren Müßiggang zumute ist. Und ob nicht der Akku wieder so richtig aufgeladen ist . . .

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