Spielberg - Als die Jungstars der Formel 1 die monatelange Mercedes-Dominanz mit Wucht durchbrachen, wirkte Sebastian Vettel mal wieder wie ein Auslaufmodell. Sieger Max Verstappen im Red Bull und Ferraris Kronprinz Charles Leclerc waren die Helden des Großen Preises von Österreich – und bescherten der Königsklasse die wohl spannendste Schlussphase dieses Jahres. Vettel kam nach einem turbulenten Wochenende mit Pech und Pannen trotz guter Leistung nur zu Rang vier.

Im Kampf um den Sieg ging es in den letzten Runden so hart zur Sache, dass die Rennleitung das Duell zwischen Verstappen und Leclerc lange untersuchte. Erst dreieinhalb Stunden nach Rennende war klar: Der Sieger bleibt Verstappen. „Aus meiner Sicht ist das Racing, hartes Racing“, sagte der 21-Jährige über sein Überholmanöver gegen Leclerc, „das ist doch besser als langweilig hintereinander herzufahren, oder nicht? Wenn solche Dinge nicht erlaubt sind, ergibt es keinen Sinn, Formel 1 zu fahren.“

Leclerc, ebenfalls 21, ließ die Podiumszeremonie mit versteinerter Miene über sich ergehen. Und klagte über den Kontakt mit Verstappen in der rennentscheidenden Szene: „Ich konnte gar nichts machen. Es ist ein mieses Gefühl, dass die Entscheidung am Grünen Tisch fällt.“

Für Vettel kam am Wochenende in der Steiermark mal wieder einiges zusammen. Er wurde im Qualifying von Technik-Problemen ausgebremst, startete das Rennen daher im Mittelfeld, zudem verschlief seine Boxencrew wegen einer Funkpanne den Reifenwechsel.

„Es gab ein paar Sachen, die nicht passieren dürfen“, sagte Vettel: „Das Rennen war grundsätzlich okay, mit ein bisschen Glück hätte es sogar zum dritten Platz gereicht. Richtig bitter war, was im Qualifying passiert ist.“ Eine defekte Druckluftleitung zum Motor hatte Vettels Ambitionen vorzeitig beendet und ihm Startplatz neun beschert.

Ganz ohne Vettels Hilfe stand im neunten Rennen der Saison erstmals kein Mercedes-Pilot ganz oben auf dem Podium, Valtteri Bottas rettete Rang drei ins Ziel, Weltmeister Lewis Hamilton wurde von Vettel noch auf den fünften Platz verdrängt. Die Mercedes-Niederlage kam nicht überraschend. Vieles hatte dafür gesprochen, dass auf den langen Geraden in Spielberg der stark motorisierte Ferrari an der Reihe ist.

Doch Verstappen fuhr beim Heimspiel seines Rennstalls wie entfesselt. Zehntausende Fans in Oranje sorgten für eine Atmosphäre wie im Fußballstadion, als er Leclerc niederrang, bei der Siegerehrung tauchten sie die Start-Ziel-Gerade in Orange.

Der Showdown folgte in den letzten Runden. Zweimal konnte der Ferrari-Youngster die Angriffe abwehren, dann ging Verstappen mit seinem aggressiven Manöver vorbei. „Was zur Hölle war das?“, fluchte Leclerc im Boxenfunk.