Shanghai - Sebastian Vettel klingt unaufgeregt und souverän, seine Worte sind so konsequent und kompromisslos wie sein umstrittenes Manöver zum Sieg in Malaysia. „In Anbetracht der Ereignisse in den letzten Jahren, glaube ich, dass der Mark es nicht verdient gehabt hätte, dass ich den zweiten Platz halte und ihm den Sieg überlasse“, sagte der 25-Jährige am Donnerstag im prall gefüllten Motorhome seines Red-Bull-Rennstalls in Shanghai.

Gut zwei Wochen, nachdem er seinem elf Jahre älteren Teamkollegen Mark Webber den Sieg in Malaysia weggeschnappt hatte, räumte Vettel auch ein, dass er es in einer vergleichbaren Situation „wahrscheinlich“ wieder so machen würde. Das hatte unmittelbar nach dem Rennen noch anders geklungen. Nun aber stellte Vettel mit Abstand aus seiner Sicht erneut einiges klar.

Den Funkspruch, der ihn anhalten sollte, Webber nicht mehr zu überholen und hinter dem Australier als Zweiter ins Ziel zu kommen, habe er schlichtweg nicht richtig verstanden. Er sei daher weiter sein Rennen gefahren – und hatte Webber überholt.

Man könne das Manöver „indirekt“ allerdings auch als eine Retourkutsche verstehen, räumte der Hesse ein. „Es gab mehr als eine Gelegenheit in der Vergangenheit, in dem er dem Team hätte helfen können – hat er aber nicht“, sagte Vettel, dem Webber vor allem im nervenaufreibenden Finale in der vergangenen Saison fast einen Strich durch die Titelrechnung gemacht hatte. „Um ganz ehrlich zu sein, gab es nie Unterstützung von seiner Seite.“

Sätze, die vor dem dritten WM-Lauf, dem Großen Preis von China an diesem Sonntag (9 Uhr/RTL), deutlich machen, wie es um das Verhältnis der beiden Teamkollegen steht. Hier der erfolgreiche Deutsche, jüngster Dreifach-Weltmeister der Formel 1, dort der kurz vor der PS-Rente stehende Australier – ständig geschlagen vom Stallrivalen.

Umso erstaunlicher, dass der Australier sich wiederum recht zahm gab. „Wir können das nicht mit uns rumschleppen“, sagte Webber bei der offiziellen Pressekonferenz kurz vor Vettels Sprechstunde.

Mit einer unmissverständlichen Botschaft hatte Vettel außerdem schon am Tag zuvor, als Red Bull die Teamorder wieder für Geschichte erklärte, für klare Verhältnisse gesorgt: „Ich entschuldige mich nicht fürs Gewinnen. Dafür bin ich an erster Stelle angestellt worden und darum bin ich hier.“